Allerlei Appläuse
Nero. Das war vielleicht einer. Aber als Kaiser muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass man vielleicht einer ist, denn die meisten beschäftigen sich damit, einem Honig ums Maul zu schmieren, den Bauch zu pinseln und weitere Dinge zu tun, die sprichwörtlich für Schmeicheleien stehen. Dafür gab es im Falle öffentlicher Bühnenauftritte des Kaisers eine herrliche Institution, die sogenannten „Augustiani“. Ich möchte kurz aus Jürgen Malitz’ Nero-Biographie zitieren:
„Und am Ende des Festes trat der Kaiser schließlich selbst auf; vorsichtig stimmte er die Kithara und ließ sich von seinen Gesangslehrern helfen, den richtigen Anfangston zu treffen. Für Applaus war gesorgt. Seit den Iuvenalia des Jahres 59 gibt es die ‚Augustiani’, eine Gruppe junger Römer aus der Oberschicht, die im Stil des Theaterpublikums von Alexandria Beifall in allerlei akustischen Variationen zu bieten hatten und sich davon eine schnellere Karriere versprechen durften.“
Zwar ist schon die Vorstellung des jungen Kaisers, der nach dem Anfangston sucht, ganz entzückend, aber eine Gruppe Applaudierer, die das Applaudieren eingeübt haben, ist noch viel entzückender. „Nero war begeistert, von sich selbst und von seinem Publikum, das ihn mit ganz verschieden moduliertem Beifall erfreute.“, heißt es weiter.
Ich finde nun: Die Augustiani sollten sich neu formieren und die Bühnen des Landes bereisen. Arrogante Künstler würden dann mit allerlei Appläusen zum Höhepunkt ihrer Arroganz geführt und Höhepunkte der Arroganz bringen das Publikum bekanntermaßen in eine hochemotionale Situation zwischen größtem Amüsement und tiefster Stellvertreter-Scham, sodass die Veranstaltung für alle Zuschauer zu einem Erlebnis würde und die aristotelische Katharsis zwar nicht in der Ursprünglichen Mitleid-Furcht-Kombination, aber dafür in der eben auch nicht zu verachtenden Amüsement-Scham-Kombination einsetzte. Und sicherlich sähen die Applaudierer und Applaudeusen (denn heutzutage würde die Gruppe bestimmt gemischgeschlechtlich auftreten) äußerst lustig bei ihren Klatschspielen aus. Einmal im Jahr gäbe es einen Tag der offenen Tür bei den Augustiani und man könnte ihrer Probe beiwohnen, bei der neue Choreographien einstudiert und Aufnahmen berühmter Konkurrenzvereine auf Video angeschaut würden. Und schließlich gäbe es Augustiani-Wettbewerbe, bei denen z.B. der „ACCC“ (Augustiani Clip-Clap-Club) und der „AVfKK“ (Augustiani-Verein für Klatsch-Kultur“) gegeneinander anträten.
Augustiani hätten wunderschöne, starke und doch filigrane Hände und die Frau eines Augustianus läge am Abend neben ihm im Bett und sagte: „Du hast so herrlich Hände!“ und er sagte „Ich weiß.“, klatschte sanft und klangvoll in eben diese, das Licht erlosch und was danach geschähe, ginge uns nichts mehr an.
„Und am Ende des Festes trat der Kaiser schließlich selbst auf; vorsichtig stimmte er die Kithara und ließ sich von seinen Gesangslehrern helfen, den richtigen Anfangston zu treffen. Für Applaus war gesorgt. Seit den Iuvenalia des Jahres 59 gibt es die ‚Augustiani’, eine Gruppe junger Römer aus der Oberschicht, die im Stil des Theaterpublikums von Alexandria Beifall in allerlei akustischen Variationen zu bieten hatten und sich davon eine schnellere Karriere versprechen durften.“
Zwar ist schon die Vorstellung des jungen Kaisers, der nach dem Anfangston sucht, ganz entzückend, aber eine Gruppe Applaudierer, die das Applaudieren eingeübt haben, ist noch viel entzückender. „Nero war begeistert, von sich selbst und von seinem Publikum, das ihn mit ganz verschieden moduliertem Beifall erfreute.“, heißt es weiter.
Ich finde nun: Die Augustiani sollten sich neu formieren und die Bühnen des Landes bereisen. Arrogante Künstler würden dann mit allerlei Appläusen zum Höhepunkt ihrer Arroganz geführt und Höhepunkte der Arroganz bringen das Publikum bekanntermaßen in eine hochemotionale Situation zwischen größtem Amüsement und tiefster Stellvertreter-Scham, sodass die Veranstaltung für alle Zuschauer zu einem Erlebnis würde und die aristotelische Katharsis zwar nicht in der Ursprünglichen Mitleid-Furcht-Kombination, aber dafür in der eben auch nicht zu verachtenden Amüsement-Scham-Kombination einsetzte. Und sicherlich sähen die Applaudierer und Applaudeusen (denn heutzutage würde die Gruppe bestimmt gemischgeschlechtlich auftreten) äußerst lustig bei ihren Klatschspielen aus. Einmal im Jahr gäbe es einen Tag der offenen Tür bei den Augustiani und man könnte ihrer Probe beiwohnen, bei der neue Choreographien einstudiert und Aufnahmen berühmter Konkurrenzvereine auf Video angeschaut würden. Und schließlich gäbe es Augustiani-Wettbewerbe, bei denen z.B. der „ACCC“ (Augustiani Clip-Clap-Club) und der „AVfKK“ (Augustiani-Verein für Klatsch-Kultur“) gegeneinander anträten.
Augustiani hätten wunderschöne, starke und doch filigrane Hände und die Frau eines Augustianus läge am Abend neben ihm im Bett und sagte: „Du hast so herrlich Hände!“ und er sagte „Ich weiß.“, klatschte sanft und klangvoll in eben diese, das Licht erlosch und was danach geschähe, ginge uns nichts mehr an.
nadjaschlueter - die Welt der Vergangenheit und die Vergangenheit der Welt - 28. Okt, 12:13





