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    <title>Six percent recall: Anmerkungen, Feststellungen, Notizen : Rubrik:aus der Großstadt</title>
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    <title>Six percent recall: Anmerkungen, Feststellungen, Notizen</title>
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    <title>Was gesagt wird</title>
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    <description>Als ich dem Taxifahrer eine gute Fahrt wünsche, lächelt er und sagt: &quot;So long.&quot; Das gefällt mir und  an der Haustüre möchte ich mich am liebsten noch einmal umdrehen, um ihm zu winken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich auf der Bahnsteig-Bank in der Sonne sitze, sagt die Frau neben mir zu ihrer etwa fünfjährigen Tochter: &quot;Bleib da sitzen, denn ich möchte nicht noch einmal so etwas sehen wie diese Woche, einmal im Jahr reicht mir das.&quot; Und nach einer Pause, in der das Kind, wohl aus purem Desinteresse, nicht nachfragt und nichts sagt, sagt sie: &quot;Da ist nämlich einer vor den Zug gesprungen. Da vorne stand er und der eine Zug stand hier und der andere Zug stand da.&quot; Der Mann zu meiner Linken misst mit den Fingern still den Abstand der Züge. Er macht ein verwirrtes Gesicht. Doch er tut es dem Kind gleich und sagt: nichts. Die Frau aber sagt weiter: &quot;Der ist einfach davorgesprungen, als der Zug schon Tempo hatte. Selbstmord. Personenschaden nennt man das dann.&quot; Ein Zug fährt durch. Das Kind fragt: &quot;Mama, fährt der Zug jetzt wieder über den Mann?&quot; Die Mutter sagt: &quot;Nein, die haben das weggeräumt. Also die Überreste.&quot; Eine Zigarettenschachtel liegt auf den Gleisen. Das Kind fragt: &quot;Mama, ist das die Hand von dem Mann?&quot; Die Mutter sagt: &quot;Nein, die Überreste haben die doch weggeräumt.&quot; Die Mutter geht zum Müll. Das Kind sagt zu mir: &quot;Guck, ich hab neue Schuhe.&quot; Ich sage: &quot;Schick.&quot; Das Kind sagt: &quot;Aber unten drunter schmutzig.&quot; Ich sage: &quot;Das ist doch normal bei Schuhen.&quot; Die Mutter kommt zurück und sagt wieder Dinge von Menschen auf Gleisen. Dann kommt mein Zug. Er sagt: nichts. Und überfährt auch niemanden.</description>
    <dc:creator>nadjaschlueter</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 nadjaschlueter</dc:rights>
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    <title>Caprisonne</title>
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    <description>Der größte Kontrast zwischen Niedlichkeit und Schrecklichkeit, den ich wohl je in der Lage war, an den Tag zu legen, ist mir gelungen, als ich zwischen den Proben zu einem Theaterstück in voller Uniform eines Totenkopf-SS-Offiziers einmal ein Caprisonne-Päckchen geschlürft habe. Ich stand im Foyer, in Reiterstiefeln, meine Hose wurde gehalten durch ein Koppelschloss, auf dem &quot;Meine Ehre heißt Treue&quot; zu lesen war, und ich machte schlürfschlürf durch einen Strohhalm, der in einer Caprisonne &quot;Orange&quot; steckte. Das fiel mir eben wieder ein, als im Kiosk außer mir noch ein junger Mann in Tekker-Klamotten einkaufte, der hektische, zuckende Bewegungen mit seinem Kopf vollführte, als sei er auf Drogen, um schließlich die Kioskfrau genauso hektisch und überschlagend zu fragen: &quot;HASTENOCHCAPRISONNE?&quot;</description>
    <dc:creator>larsweisbrod</dc:creator>
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    <title>Es gibt noch Unterschiede (juchu!)</title>
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    <description>Wenn man eine einige Zeit in München verbracht hat, fällt einem bei einem Besuch in Köln erst einmal auf, wie dreckig es dort ist. Auf der Straße liegen herrenlose Dinge herum, Papierschnipsel, plattgetretene Kaugummis, Zigarettenstummel, und niemand schickt sich an, sie aufzuheben. Teilweise kullern sogar Flaschen im Rinnstein und Bier wurde auf dem Bürgersteig verschüttet! Sitzt man in einem Café unter freien Himmel, streifen verkommene Subjekte vorbei und bitten um Münzgeld, ohne eine Gegenleistung dafür anzubieten; steht man irgendwo herum, spucken Menschen neben einen auf den Boden, ohne dass eine Notwendigkeit dafür bestände. In München würde es so etwas nicht geben. Hier gleicht alles mehr einer Modelleisenbahnstadt, in der Schmutz, Dreck, kullernde Flaschen und Clochards nicht vorkommen, weil es sie als Ergänzungssets nicht zu kaufen gibt. Hin und wieder bricht vielleicht mal einer der Passanten an den Beinen ab, aber auch das wird sofort mit viel Spezialkleber repariert.</description>
    <dc:creator>larsweisbrod</dc:creator>
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    <title>Insomnia (I)</title>
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    <description>Vor meinem Fenster hat sich leider zwischen zwölf und halb zwei ein Pärchen mit Migrationshintergrund lautstark voneinander getrennt. Vielleicht haben sie sich, nachdem ich dann doch eingeschlafen bin, auch wieder versöhnt. Dann, das dachte ich eben, als ich mit schläfrigen Augen vor dem Cola-Automaten stand, hätte es sich wenigstens gelohnt, dass sie mich wachgehalten haben, und ich hätte dieses Opfer gerne erbracht.</description>
    <dc:creator>larsweisbrod</dc:creator>
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    <title>Diese Stadt</title>
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    <description>In wenigen Tagen verlasse ich diese Stadt. Um der Dramatik willen würde ich gerne sagen: diese schreckliche Stadt, dieses Höllenloch, diesen Schweinestall, dieses Irrenhaus, diesen Moloch, der mich krank macht und dem ich einen heftigen Regen wünsche, der einmal den ganzen Unrat aus den Straßen spült. Ich würde gerne sagen: diesen Misthaufen, diesen stinkenden Sündenpfuhl, diese Todesfalle, die mich Tag für Tag dem Abgrund näher bringt, diesen Ort, dem ich jetzt entfliehen muss, damit er mich nicht für immer in seinen grausamen, kalten Fingern gefangen hält, diesen tiefen Schlund, aus dem ich endlich hinaus muss, um wieder frei atmen zu können und nicht ganz von ihm verschluckt zu werden. Ich vermute aber, keine dieser Aussagen würde so richtig auf Köln am Rhein zutreffen.</description>
    <dc:creator>larsweisbrod</dc:creator>
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    <dc:date>2008-06-19T09:20:00Z</dc:date>
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    <title>Freitagabende</title>
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    <description>Freitagabende lassen sich von Donnerstagabenden oder Mittwochabenden unter anderem dadurch unterscheiden, dass man junge Pärchen sehen kann, die mit Salatschüsseln unter den Armen vor Hauseingängen stehen und die richtige Klingel suchen.</description>
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