Na gut, bei Red Bull Salzburg lief es nicht so gut, aber dass sie Trapattoni deswegen jetzt vors Kriegsverbrechertribunal stellen, das finde ich schon ein bisschen übertrieben.
Seit die Regierungsmitglieder mitsamt Familien, schlechter Laune, Macht und Regierungslast aus Bonn verschwunden sind, passiert hier eher nichts mehr. Das erzählt man sich zumindest auf der Straße und das anscheinend seit geschlagenen neun Jahren. Ich als Bonner Neubürger höre das erst seit geschlagenen eineinhalb Jahren, reicht aber auch schon. Man stelle sich das vor, achtzehn Monate ruft es einem von jeder Straßenecke entgegen, wie unendlich langweilig die eigene Stadt ist. Da freut man sich, wenn es so jemanden wie Herrn Zumwinkel gibt, der vor lauter Langweile Steuern hinterzieht und dafür sorgt, dass einem befreundete Mitstudenten, die in fünfhundert Meter Entfernung des Post-Towers wohnen, erzählen, dass bei ihnen um die Ecke die Post abgeht. Wörtlich sagen sie das natürlich nicht, das wäre ja auch zu naheliegend.
Im Auto läuft das Radio. Erst vom Moderator als "Musik zum Träumen" ausgewiesene Klassik, dann die Nachrichten. Dass heute weltweit Menschen gegen den Klimawandel auf die Straße gegangen sind, erfahren wir da. Wussten wir aber schon. Dass es allein in Deutschland soundsoviele Menschen waren, sagt der Sprecher. Wussten wir noch nicht, haben wir uns aber schon gedacht. Doch dann dieser Satz: "Aktionen fanden unter anderem in Berlin und Grevenbroich statt." Das kam wirklich unerwartet. Wer hat diese beiden Orte je vorher in einem Atemzug genannt? Der Klimawandel hat also doch hübsche Nebeneffekte, denn er eint die große Stadt, in die alle wollen, und das rheinische Provinznest, über das alle lachen. Ein intaktes Klima hätte das niemals geschafft, das hätte sich nur selbstverliebt im Spiegel angeschaut. "Unter anderem in Berlin und Grevenbroich" murmele ich nun leise vor mich hin, "unter anderem in Berlin und Grevenbroich", und es zergeht mir auf der Zunge, untermalt von vom Moderator als "Musik zum Träumen" ausgewiesener Klassik.
Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache, hat das Internetnachrichtenmagazin "Spiegel Online" erneut scharf kritisiert. Es könne nicht angehen, dass man auf der einen Seite einen reflektierten Umgang mit Sprache predige und auf der anderen Seite einer der größten Gedankenstrichverbraucher in Deutschland sei, so der ausgelassene Mann bei einer Rede vor einigen umherstehenden Passanten. Es sei unverhältnismäßig, dass fast jede Artikeleinleitung mit einem Gedankenstrichsatz beendet würde, während kaum einer der Texte überhaupt richtige Gedanken enthielt. "Wenn unsere Kinder nicht in einer Welt ohne Gedankenstriche leben sollen, muss jetzt umgedacht werden", so der renommierte Sprachexperte und Besserwisser. Erst im August war der Gedankenstrichpreis auf einen neuen Höchsstand von 10,40 Dollar pro Barrel gestiegen. Auf Nachfrage teilte Spiegel Online in einer Stellungnahme mit: "Reicherts Kritik ist nicht richtig - und vor allem falsch."
Um die Zahl der Opfer unter afghanischen Zivilisten zu verringern, sprach sich NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer im Interview mit der Financial Times dafür aus, zukünftig auf eine hochmoderne und trickreiche Taktik zurückzugreifen: Man könne bei Lufteinsätzen gegen Taliban-Kämpfer einfach "kleinere Bomben" verwenden. Bisher sei man vor dieser Methode noch zurückgeschreckt, da kleine Bomben in den unaufgeräumten Zelten der NATO-Soldaten häufig verloren gingen und einfach nicht mehr aufzufinden seien. Sollte man nun aber gute Erfahrungen damit machen, spreche nichts dagegen, das Prinzip auf weitere Teile der Kampfführung auszudehnen, so de Hoop Scheffer weiter. Denkbar seien zum Beispiel ganz kleine Gewehre, die niemandem wehtun, oder Kindersoldaten unter 1,50 - "die kommen erst gar nicht an den Knopf zum Bombenabwerfen". Langfristig stelle sich die NATO auch darauf ein, überhaupt nur noch Einsätze in sehr kleinen Ländern (Vatikan, Inselstaat Tuvalu) durchzuführen: "Da geht dann wenigstens nicht so viel kaputt."
23.10.: Nadja beim Poetry Slam in der Exerzierhalle, Oldenburg. 29.-31.10.: Lars und Nadja fahren als Koblenzer Slammaster zum Slam 2009 nach Düsseldorf und hängen da rum. Am Samstag muss Nadja kurz mit rumhängen aufhören und das U20-Finale im Schauspielhaus moderieren. 03.11.: Die November-Ausgabe der Kanapee-Poeten im Café Lübke, Trier. Diesmal als Kanapee-Gast: der unglaubliche Frank Klötgen aus Berlin!