Weil sie zum schleudern geboren sind
Im Waschsalon herrschen Saunatemperaturen, weil die Sonne scheint und das heiße Wasser verdampft, die Maschinen schleudern, weil sie zum schleudern geboren sind und ich lese, weil ich die Zeit herumbekommen muss. Neben mir telefoniert ein junger Mann mit schmieriger Frisur. Er spricht Italienisch, er spricht hektisch und gereizt. Ich überlege mir, was er wohl sagt, ob es wie in der Simpsons-Folge ist, in der Lisa ins russische Viertel gerät und denkt, der Russe schreie herum, dabei sagt er, wie man im Untertitel sehen kann, etwas ganz Nettes. Möglicherweise tschilpt der Italiener also auch zärtliche Liebesworte in den Hörer.
Plötzlich hält er mir sein Mobiltelefon hin und sagt in gebrochenem Deutsch: "Bitte nimm mal. Meine Freundin. Sie hat eine Frage." Ich bin vollkommen verwirrt, stutze, zögere, er steht nur da, hält mir bittend das Telefon vors Gesicht. Ich nehme es, halte es nah ans Ohr, so, dass es dieses fast gar nicht berührt, und sage schüchtern: "Hallo?" Eine aufgeregte Frauenstimme mit südländischem Akzent antwortet, als würden wir uns schon ewig kennen. "Ja, wo seid ihr denn? Ich weiß es wirklich nicht. Er sagt, er ist in Waschsalon in Altstadt." Ich stutze weiterhin, ich fürchte fast, ich könne nie wieder damit aufhören. "Ja, isser auch." sage ich schließlich und reiche dem jungen, möglicherweise untreuen oder aber in den Fängen einer Furie gefangenen Mann sein Handy, natürlich stutzend. Er nimmt es, murmelt ein Dankeschön und stürmt geifernd aus dem Raum. Keine getschilpten Liebesworte also.
Das Staffelholz der kleinen Kuriositäten wird von einer eintretenden Frau übernommen, die ihre besten Jahre augenscheinlich hinter sich hat, ihr Haar in wasserstoffblond mit sich herumträgt und eine abgeschnittene Jeanshose trägt, die nicht nur ihre mit Kratern übersäten Beine, sondern auch ein Fünflet ihrer Pobacken entblößt. Während sie die Wäsche in die Maschinen stopft, plaudert sie leise mit sich selbst. Ich stutze.
Manchmal wünsche ich mir doch keine Waschmaschine.
Plötzlich hält er mir sein Mobiltelefon hin und sagt in gebrochenem Deutsch: "Bitte nimm mal. Meine Freundin. Sie hat eine Frage." Ich bin vollkommen verwirrt, stutze, zögere, er steht nur da, hält mir bittend das Telefon vors Gesicht. Ich nehme es, halte es nah ans Ohr, so, dass es dieses fast gar nicht berührt, und sage schüchtern: "Hallo?" Eine aufgeregte Frauenstimme mit südländischem Akzent antwortet, als würden wir uns schon ewig kennen. "Ja, wo seid ihr denn? Ich weiß es wirklich nicht. Er sagt, er ist in Waschsalon in Altstadt." Ich stutze weiterhin, ich fürchte fast, ich könne nie wieder damit aufhören. "Ja, isser auch." sage ich schließlich und reiche dem jungen, möglicherweise untreuen oder aber in den Fängen einer Furie gefangenen Mann sein Handy, natürlich stutzend. Er nimmt es, murmelt ein Dankeschön und stürmt geifernd aus dem Raum. Keine getschilpten Liebesworte also.
Das Staffelholz der kleinen Kuriositäten wird von einer eintretenden Frau übernommen, die ihre besten Jahre augenscheinlich hinter sich hat, ihr Haar in wasserstoffblond mit sich herumträgt und eine abgeschnittene Jeanshose trägt, die nicht nur ihre mit Kratern übersäten Beine, sondern auch ein Fünflet ihrer Pobacken entblößt. Während sie die Wäsche in die Maschinen stopft, plaudert sie leise mit sich selbst. Ich stutze.
Manchmal wünsche ich mir doch keine Waschmaschine.
nadjaschlueter - Was wir anderswo erzählen - 9. Mai, 09:43
