Kochherz
Meist ernähre ich mich von Schokomüsli. Ich erwähnte hier schonmal, dass ich es solange tue, bis mir eine Vitaminmangelerscheinung dafür die Quittung gibt. Dann steige ich kurzzeitig auf teures Schokomüsli aus dem Reformhaus um, in der Hoffnung, dass sich darin mehr Vitamine verstecken. Werden die weißen Flecken auf meinen Fingernägeln dann trotzdem weiterhin größer und das Zahnfleisch weiterhin fransiger, gehe ich jeden zweiten Tag in die Mensa und esse dort den Obstsalat, weil er aussieht als sei er nicht aus der Konserve. Besorgte Freunde am Telefon klagen, ich könne mich nicht alleine ernähren und bräuchte dringend Hilfe. Das sagen allerdings nur die Freunde ab dreihundert Kilometer Entfernung, weil sie dann der Pflicht entbunden sind, persönlich mit einem Korb voll Gemüse, Obst und toter Hühner vorbeizuschauen und in meiner Küche den Kochlöffel in künstlerischen Bögen zu schwingen. Das Mitleid der meisten reicht leider nicht so weit, dass sie mich ständig bekochen wollen.
Versuche ich es dann doch einmal selbst, reicht ihr Mitleid allerdings meilenweit. Als ich einem Freund einmal mit selbstgekochtem Schokoladenpudding eine Freude machen wollte, brannte der Pudding unter meinen Händen an als sei es überhaupt unmöglich unangebrannten Pudding zu kochen. Er schmeckte scheußlich nach einer Mischung aus Ruß, Topf und Bleistiftmine und ich war kurz davor, bitterliche Tränen in mein Schüsselchen zu weinen. Das Mitleid meines Puddingfreundes war so groß, dass er auf meine hervorgepresste Frage, ob der Pudding ihm schmecke, eifrig nickte, liebenswert lächelte und die Rußtopfbleistiftminenmasse tapfer auslöffelte. Damit kittete er mein gebrochenes Schokoladenpuddingherz. Mein Kochherz war jedoch zum wiederholten Male gebrochen. Sehr viele Tiefkühlpizzen backten mir in der Folgezeit am Ofenrost fest und einige Dosensuppen mit Gemüseeinlage aus Gummiimitat wanderten fast unangerührt in die Toilette.
Versuche ich es dann doch einmal selbst, reicht ihr Mitleid allerdings meilenweit. Als ich einem Freund einmal mit selbstgekochtem Schokoladenpudding eine Freude machen wollte, brannte der Pudding unter meinen Händen an als sei es überhaupt unmöglich unangebrannten Pudding zu kochen. Er schmeckte scheußlich nach einer Mischung aus Ruß, Topf und Bleistiftmine und ich war kurz davor, bitterliche Tränen in mein Schüsselchen zu weinen. Das Mitleid meines Puddingfreundes war so groß, dass er auf meine hervorgepresste Frage, ob der Pudding ihm schmecke, eifrig nickte, liebenswert lächelte und die Rußtopfbleistiftminenmasse tapfer auslöffelte. Damit kittete er mein gebrochenes Schokoladenpuddingherz. Mein Kochherz war jedoch zum wiederholten Male gebrochen. Sehr viele Tiefkühlpizzen backten mir in der Folgezeit am Ofenrost fest und einige Dosensuppen mit Gemüseeinlage aus Gummiimitat wanderten fast unangerührt in die Toilette.
nadjaschlueter - Fragmente - 1. Sep, 17:58
