Ein Bericht aus dem Kino
In dem Film „Slumdog Millionaire“ ging es um die Sendung „Wer Wird Millionär“, die allerdings nicht von Günther Jauch moderiert wurde, sondern von seinem indischen Kollegen, der genauso gemein ist, dabei aber ein Glitzerjacket und Brillant-Ohrringe trägt. Von der Sendung selbst konnte man nur wenig sehen, die meiste Zeit wurde den interessanten Fragen nachgegangen, woher der junge Kandidat Jamal die Antworten auf die Quizfragen eigentlich weiß und was mit den Kandidaten eigentlich zwischen den Sendungen passiert (sie werden in schmutzigen Polizeistationen von dicken Männern gefoltert). Jamal weiß die Antworten nicht, weil er viele Bücher gelesen hat oder auf der Volkshochschule war, sondern weil in den Slums von Mumbai (hieß früher anders) aufgewachsen ist. Dort herrschen allgemein raue Sitten und unhygienische Zustände und es wird viel mit Holzknüppeln durch die Gegend gerannt, was am Anfang der Geschichte zum nicht weiter thematisieren Tod von Jamales Mutter führt. Diesen Umständen zum Trotz sind die Hauptfiguren schön, haben gesunde Zähne und glänzendes Haar. Zwischendurch drückt der Regisseur dem Werk seine persönliche Handschrift auf, indem er jemanden in eine Toilette tauchen lässt, was vom naturgemäß unangenehmen Kino-Publikum mit Gegröle und von der Academy mit mehreren tausend Oscars quittiert wurde. Ansonsten war es im Kinosaal aber angenehm ruhig.
Später fährt Jamale mit seinem älteren Bruder (gespielt vom sehr jungen Samual L. Jackson) in indischen Zügen herum, wo die beiden sich als zugestiegene mobile Brezelverkäufer ihren Lebensunterhalt verdienen. Bis dahin wird der Filmgenuss leider durch das problematische Phänomen der nervigen deutschen Synchronisation von Kinderstimmen getrübt („Ich habe mörderischen Hunger“). Zum Glück fallen die beiden dann aber aus dem Zug, rollen einen Abhang hinab und sind plötzlich junge Erwachsene. In der zweiten Hälfte spielt eine Frau eine vermutlich wichtige Rolle, über die ich aber nur noch, dass sie angeblich aussieht wie Vanessa Hudgens. Mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist dafür die schönen Sequenz, die in Günter-Wallraf-Tradition die absurden Zustände in indischen Call-Centern aufdeckt, wo die Mitarbeiter gezwungen werden, so zu tun, als seien sie in Großbritannien.
Am Ende kann Jamal dann trotz der Gemeinheiten des Moderators und des dicken Polizisten die Millionenfrage beantworten, die verwirrenderweise auch noch eine Zwanzig-Millionen-Frage ist (wegen Wechselkurs Rupien). Die Zuschauer, die sich zu einer Art indischem Wunder von Bern vor den Fernsehgeräten versammelt haben, jubeln und der Protaganist und Vanessa Hudgens treffen sich wieder zu einer großen Tanzszene am Bahnhof. Insgesamt baut der Film auf den Charme der Idee, dass auch die finanziell und sozial Schwächeren sehr viel über das Leben und die Welt wissen. Die besten Ratschläge könne mir also „mein Tankwart“ (Klaus Hoffmann) oder die Küchenhilfe geben, was vielleicht stimmt, aber meist nicht erzählt wird, weil es stimmt, sondern weil man sich als finanziell und sozial Bessergestellter dann wohler fühlt. Fraglich bleibt auch, ob sich die konkrete politische Forderung, allen indischen Slumbewohnern durch eine Teilnahme bei „Wer Wird Millionär“ ein besseres Leben zu garantieren, in der Praxis so umsetzen lässt.
Später fährt Jamale mit seinem älteren Bruder (gespielt vom sehr jungen Samual L. Jackson) in indischen Zügen herum, wo die beiden sich als zugestiegene mobile Brezelverkäufer ihren Lebensunterhalt verdienen. Bis dahin wird der Filmgenuss leider durch das problematische Phänomen der nervigen deutschen Synchronisation von Kinderstimmen getrübt („Ich habe mörderischen Hunger“). Zum Glück fallen die beiden dann aber aus dem Zug, rollen einen Abhang hinab und sind plötzlich junge Erwachsene. In der zweiten Hälfte spielt eine Frau eine vermutlich wichtige Rolle, über die ich aber nur noch, dass sie angeblich aussieht wie Vanessa Hudgens. Mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist dafür die schönen Sequenz, die in Günter-Wallraf-Tradition die absurden Zustände in indischen Call-Centern aufdeckt, wo die Mitarbeiter gezwungen werden, so zu tun, als seien sie in Großbritannien.
Am Ende kann Jamal dann trotz der Gemeinheiten des Moderators und des dicken Polizisten die Millionenfrage beantworten, die verwirrenderweise auch noch eine Zwanzig-Millionen-Frage ist (wegen Wechselkurs Rupien). Die Zuschauer, die sich zu einer Art indischem Wunder von Bern vor den Fernsehgeräten versammelt haben, jubeln und der Protaganist und Vanessa Hudgens treffen sich wieder zu einer großen Tanzszene am Bahnhof. Insgesamt baut der Film auf den Charme der Idee, dass auch die finanziell und sozial Schwächeren sehr viel über das Leben und die Welt wissen. Die besten Ratschläge könne mir also „mein Tankwart“ (Klaus Hoffmann) oder die Küchenhilfe geben, was vielleicht stimmt, aber meist nicht erzählt wird, weil es stimmt, sondern weil man sich als finanziell und sozial Bessergestellter dann wohler fühlt. Fraglich bleibt auch, ob sich die konkrete politische Forderung, allen indischen Slumbewohnern durch eine Teilnahme bei „Wer Wird Millionär“ ein besseres Leben zu garantieren, in der Praxis so umsetzen lässt.
larsweisbrod - Fernsehen - 30. Mrz, 20:54
