Anmut, Aufschub, Fristverlängerung
Wenn ich einmal ein Wort oder einen Satz gefunden habe, welches oder welcher mir besonders gut gefällt, dann kann ich sehr penetrant sein. Ich versuche die Wendung dann bei den unpassendsten Gelegenheiten ins Gespräch zu bringen. "Hast du mal ein Frischkäsebrötchen", fragt mich dann Nadja und statt dass ich, wie zu erwarten gewesen wäre, antworte "Ih, Frischkäse!", sage ich dann: "Nein. Aber Apropros Frischkäsebrötchen: Meinst du in der Ewigkeit gibt es Frischkäsebrötchen? Jedenfalls wird in der Ewigkeit nicht gesprochen, es ist mehr wie Schweinchenzeichnen: mit verbundenen Augen und mit Kopf im Nacken. Steht so im Zauberberg!" Das geht dann ein paar Wochen so, bis ich etwas Neues finde oder das Alte vergessen habe. Gerade aktuell ist bei mir die Wendung "grace under pressure", mit welcher ein Hobbyfischer und Waffennarr Namens Hemingway einst versuchte zu beschreiben, was seine Helden auszeichnet. Übersetzen lässt sich der Ausspruch wahlweise mit Anmut, Aufschub, Fristverlängerung, Gnade, Grazie, Gunst, Huld, Liebreiz, Tischgebet, Verzierung, Zahlungsfrist oder Zurückstellung unter Druck, was an sich schon so eine liebreizend-pluralistische Auswahl ist, dass man die Worte mögen muss. Hinzu kommt, dass einen angesichts dieser Nominalkontruktion eine Erkenntnis förmlich überkommt: dass grace under pressure eigentlich deswegen so schön ist, weil es so einfach ist, ihn an den Tag zu legen, ganz im Gegensatz zu grace under no pressure but the daily struggle.
larsweisbrod - Brandneue Redewendungen - 19. Feb, 16:48
