Abwinken
Gut, dass es das Sommerloch gibt, denn dann winken die Menschen ab, statt sich zu ärgern. Nur langweilige Artikel in der Zeitung, nichts Gutes im Fernsehen, nichts los auf den Blogs - abwinken und "Sommerloch" sagen. Oder nach Sommerloch fahren. Oder nach München, denn da bin ich gerade und könnte etwas Gesellschaft vertragen.
München ist natürlich besser als sein Ruf. Das ist ja bei den meisten Städten so, außer vielleicht bei Berlin, dessen Ruf so gut ist, dass es dadurch in der Lage ist, einen zu enttäuschen. Wenn man nach München geht, dann ziehen alle eine Schnute und sagen Sachen wie: "Freiwillig?" oder "Viel Spaß - wenn das geht." Das letzte Mal "Viel Spaß - wenn das geht." hat man davor zu mir gesagt, als ich meinen 15. Geburtstag feierte, am 13.09.2001.
Ja, natürlich ist es extrem sauber, und ja, die Polizei ist sehr präsent, aber darüber muss man einfach nicht mehr reden. Allerdings fielen mir beim Münchner Sommerkino zwei Dinge auf, die mir abseits der gängigsten München-Klischees unsympathisch waren:
1. Die Werbung vor dem Film wurde dominiert von Spots über München und Bayern. Mit Slogans wie "Damit Bayern nicht weniger wird" und viel Stadt-Lobhudelei. Ich war ganz verwundert, denn wenn ich mir vorstelle, bei mir zu Hause liefe NRW-Werbung, grusele ich mich. Aber Bayern ist halt auch Bayern und NRW ist Rheinland, Ruhrgebiet, Münster- und Sauerland. Oder auch noch mehr. Jedenfalls liegt da nicht so eine große imaginäre Brezel drumherum, die alles zusammenhält. Da trinkt man ja nicht mal überall die gleiche Biersorte.
2. Die Besucher der Sommerkinos waren, nunja, recht gut vorbereitet. Man muss zuvor erwähnen, dass es ein warmer Abend war, kaum Wolken am Himmel und wir, die wir zu dritt den Film anschauen wollten, hatten genau eine Decke, eine Flasche Wasser, drei Riegel Kinderschokolade und eine Tüte Chips dabei. Doch um uns herum breiteten sich Menschen aus, die mit Mützen, dicken Pullovern, warmen Jacken, Wollsocken, mehreren Decken, körbeweise Proviant, Thermosflaschen und - was mich am meisten beeindruckte - Trecking-Schlafsäcken ausgestattet waren. In Open Air-Kinos anderer Orte habe ich das in diesem Ausmaß bisher nie gesehen. Und bevor jemand fragt: Nein, wir haben nicht gefroren.
Soviel zum Unsympathischen. Ich kann dem aber auch gleich zwei Sachen entgegenstellen, die ich bisher gut fand.
1. Okay, das finde ich eher niedlich: An der S-Bahn-Haltestelle Berg am Laim ist vor längerer Zeit die Uhr stehengeblieben. Jetzt hat man ein Kreuz aus Klebeband über das Ziffernblatt geklebt. Wohl, damit niemand mehr die Uhrzeit für voll nimmt, die angezeigt wird (obwohl auch sie, wie wir ja alle wissen, zwei Mal am Tag stimmt). Vielleicht hat sich jemand beschwert - sollte dem so sein, melde sich derjenige bitte, damit ich diesen Punkt dann doch unter unsympathisch einordnen kann.
2. An der S-Bahn-Haltestelle Berg am Laim wird zudem gebaut. Daher muss man eigentlich einen riesigen Umweg durch einen lauten und unangenehmen Autotunnel wählen, um von der Haltestelle aus dahin zu kommen, wo man hinmuss. Aber man kann auch durch die Baustelle gehen, denn da hängen zwar überall Betreten-verboten-Schilder und diverse Bauzäune sperren alles ab, aber irgendwie sind dann doch immer Lücken da. Und nette Bauarbeiter, die vielleicht die Lücken machen, vor allem aber nicht auch nur ein Wort sagen, wenn man mitten durch ihre Arbeit hindurchmarschiert. Das mag nichts Besonderes sein und fast so wenig erwähnenswert wie Punkt 1, aber ich freue mich trotzdem darüber.
Und was ist mit den Ladenöffnungszeiten (unsympathisch)? Und mit den Butterbrezeln (sympathisch)? Und mit der Weißwurst (unsympathisch)? Und mit der Isar (sympathisch)? Und mit all den anderen, den wichtigen Sachen? Und überhaupt, warum ist hier alles so schlecht recherchiert und unvollständig, warum steht hier nicht mal was Handfestes?
Ich winke ab und sage Sommerloch.
München ist natürlich besser als sein Ruf. Das ist ja bei den meisten Städten so, außer vielleicht bei Berlin, dessen Ruf so gut ist, dass es dadurch in der Lage ist, einen zu enttäuschen. Wenn man nach München geht, dann ziehen alle eine Schnute und sagen Sachen wie: "Freiwillig?" oder "Viel Spaß - wenn das geht." Das letzte Mal "Viel Spaß - wenn das geht." hat man davor zu mir gesagt, als ich meinen 15. Geburtstag feierte, am 13.09.2001.
Ja, natürlich ist es extrem sauber, und ja, die Polizei ist sehr präsent, aber darüber muss man einfach nicht mehr reden. Allerdings fielen mir beim Münchner Sommerkino zwei Dinge auf, die mir abseits der gängigsten München-Klischees unsympathisch waren:
1. Die Werbung vor dem Film wurde dominiert von Spots über München und Bayern. Mit Slogans wie "Damit Bayern nicht weniger wird" und viel Stadt-Lobhudelei. Ich war ganz verwundert, denn wenn ich mir vorstelle, bei mir zu Hause liefe NRW-Werbung, grusele ich mich. Aber Bayern ist halt auch Bayern und NRW ist Rheinland, Ruhrgebiet, Münster- und Sauerland. Oder auch noch mehr. Jedenfalls liegt da nicht so eine große imaginäre Brezel drumherum, die alles zusammenhält. Da trinkt man ja nicht mal überall die gleiche Biersorte.
2. Die Besucher der Sommerkinos waren, nunja, recht gut vorbereitet. Man muss zuvor erwähnen, dass es ein warmer Abend war, kaum Wolken am Himmel und wir, die wir zu dritt den Film anschauen wollten, hatten genau eine Decke, eine Flasche Wasser, drei Riegel Kinderschokolade und eine Tüte Chips dabei. Doch um uns herum breiteten sich Menschen aus, die mit Mützen, dicken Pullovern, warmen Jacken, Wollsocken, mehreren Decken, körbeweise Proviant, Thermosflaschen und - was mich am meisten beeindruckte - Trecking-Schlafsäcken ausgestattet waren. In Open Air-Kinos anderer Orte habe ich das in diesem Ausmaß bisher nie gesehen. Und bevor jemand fragt: Nein, wir haben nicht gefroren.
Soviel zum Unsympathischen. Ich kann dem aber auch gleich zwei Sachen entgegenstellen, die ich bisher gut fand.
1. Okay, das finde ich eher niedlich: An der S-Bahn-Haltestelle Berg am Laim ist vor längerer Zeit die Uhr stehengeblieben. Jetzt hat man ein Kreuz aus Klebeband über das Ziffernblatt geklebt. Wohl, damit niemand mehr die Uhrzeit für voll nimmt, die angezeigt wird (obwohl auch sie, wie wir ja alle wissen, zwei Mal am Tag stimmt). Vielleicht hat sich jemand beschwert - sollte dem so sein, melde sich derjenige bitte, damit ich diesen Punkt dann doch unter unsympathisch einordnen kann.
2. An der S-Bahn-Haltestelle Berg am Laim wird zudem gebaut. Daher muss man eigentlich einen riesigen Umweg durch einen lauten und unangenehmen Autotunnel wählen, um von der Haltestelle aus dahin zu kommen, wo man hinmuss. Aber man kann auch durch die Baustelle gehen, denn da hängen zwar überall Betreten-verboten-Schilder und diverse Bauzäune sperren alles ab, aber irgendwie sind dann doch immer Lücken da. Und nette Bauarbeiter, die vielleicht die Lücken machen, vor allem aber nicht auch nur ein Wort sagen, wenn man mitten durch ihre Arbeit hindurchmarschiert. Das mag nichts Besonderes sein und fast so wenig erwähnenswert wie Punkt 1, aber ich freue mich trotzdem darüber.
Und was ist mit den Ladenöffnungszeiten (unsympathisch)? Und mit den Butterbrezeln (sympathisch)? Und mit der Weißwurst (unsympathisch)? Und mit der Isar (sympathisch)? Und mit all den anderen, den wichtigen Sachen? Und überhaupt, warum ist hier alles so schlecht recherchiert und unvollständig, warum steht hier nicht mal was Handfestes?
Ich winke ab und sage Sommerloch.
nadjaschlueter - prossima fermata - 29. Aug, 17:53
