Per Nutella
Als Kind mochte ich alles, vor allem all das, was auch die meisten anderen Kinder mochten: Tierbabys, Schokolade, Pommes, Benjamin Blümchen. Aber ich mochte kein Nutella.
Das stimmt nicht. Aber mit etwa acht Jahren, beschloss ich, es nicht zu mögen, um anders zu sein als die anderen Kinder. Immer habe ich die Kinder beneidet, die ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht mochten. Ich mochte alles, sogar das, was viele andere Kinder nicht mochten, Spinat zum Beispiel. So gerne wollte ich wie die Kinder sein, die über den Spinat die Nase rümpften. Und noch viel lieber wollte ich sein wie die Kinder, die über Pommes die Nase rümpften. Purer Neid stieß mir auf, wenn ein Erwachsener beim Kindergeburtstag meinem Sitznachbarn oder – was noch schlimmer war – meiner Sitznachbarin über den Kopf strich und etwas von „essen wie ein Vögelchen“ sagte, während ich entweder nicht auffiel, weil ich alle Pommes aufaß, oder gar belächelt wurde, weil ich das Hühnerbein bis auf den blanken Knochen sauber nagte. Die Vögelchen-Esser und Pommes-Verschmäher verleideten mir meine Pommes und doch aß ich sie auf, um nicht als das Kind zu gelten, das bloß mal auffallen will, weil doch jeder weiß, dass es Pommes mag, immer isst es ganz viele davon, auf allen Kindergeburtstagen.
Per Nutella schlug ich zurück. Nutella gibt es zwar nicht auf Kindergeburtstagen, aber meistens zum Frühstück, wenn man bei einer Freundin übernachtete. Mein Esser-Image bezüglich der klassischen Kindergeburtstag-Abendessen war in Stein gemeißelt, hatte ich es doch von Anfang an aus purer Unwissenheit in die falsche Richtung gesteuert. Doch ich hatte aus meinen Fehlern gelernt und das Frühstücks-Image war noch zu retten. Von meinem ersten Frühstück in fremder Küche an verschmähte ich das Nutella, das sich jedes andere Kind löffelweise in den Mund schob, selbst Vögelchen-Esser und Pommes-Verschmäher tauchten ihre kleinen Nasen tief in die bauchigen Gläser. Und ich triumphierte.
Nur manchmal, da hatte ich das Gefühl, dass der Blick eines Erwachsenen auf mir ruhte und mich ertappte, dass er sah, dass ich log, dass er sich fragte, warum ich das tat. Ein Blick, der nicht „Vögelchen-Esser“ sagte, sondern „komisches Kind“.
Ähnliches habe ich eine Zeit lang mit Bratwürsten versucht, kehrte jedoch irgendwann zu ihnen zurück. Die Abneigung gegen Nutella allerdings redete ich mir im Laufe der Jahre so standhaft ein, dass ich es heute wirklich nicht essen mag. Ein Nahrungsmittel, dass ich als Kind tatsächlich nicht mochte, mich damit aber nicht besonders genug fühlte, war Reis. Doch um den soll es im nächsten Beitrag gehen.
Das stimmt nicht. Aber mit etwa acht Jahren, beschloss ich, es nicht zu mögen, um anders zu sein als die anderen Kinder. Immer habe ich die Kinder beneidet, die ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht mochten. Ich mochte alles, sogar das, was viele andere Kinder nicht mochten, Spinat zum Beispiel. So gerne wollte ich wie die Kinder sein, die über den Spinat die Nase rümpften. Und noch viel lieber wollte ich sein wie die Kinder, die über Pommes die Nase rümpften. Purer Neid stieß mir auf, wenn ein Erwachsener beim Kindergeburtstag meinem Sitznachbarn oder – was noch schlimmer war – meiner Sitznachbarin über den Kopf strich und etwas von „essen wie ein Vögelchen“ sagte, während ich entweder nicht auffiel, weil ich alle Pommes aufaß, oder gar belächelt wurde, weil ich das Hühnerbein bis auf den blanken Knochen sauber nagte. Die Vögelchen-Esser und Pommes-Verschmäher verleideten mir meine Pommes und doch aß ich sie auf, um nicht als das Kind zu gelten, das bloß mal auffallen will, weil doch jeder weiß, dass es Pommes mag, immer isst es ganz viele davon, auf allen Kindergeburtstagen.
Per Nutella schlug ich zurück. Nutella gibt es zwar nicht auf Kindergeburtstagen, aber meistens zum Frühstück, wenn man bei einer Freundin übernachtete. Mein Esser-Image bezüglich der klassischen Kindergeburtstag-Abendessen war in Stein gemeißelt, hatte ich es doch von Anfang an aus purer Unwissenheit in die falsche Richtung gesteuert. Doch ich hatte aus meinen Fehlern gelernt und das Frühstücks-Image war noch zu retten. Von meinem ersten Frühstück in fremder Küche an verschmähte ich das Nutella, das sich jedes andere Kind löffelweise in den Mund schob, selbst Vögelchen-Esser und Pommes-Verschmäher tauchten ihre kleinen Nasen tief in die bauchigen Gläser. Und ich triumphierte.
Nur manchmal, da hatte ich das Gefühl, dass der Blick eines Erwachsenen auf mir ruhte und mich ertappte, dass er sah, dass ich log, dass er sich fragte, warum ich das tat. Ein Blick, der nicht „Vögelchen-Esser“ sagte, sondern „komisches Kind“.
Ähnliches habe ich eine Zeit lang mit Bratwürsten versucht, kehrte jedoch irgendwann zu ihnen zurück. Die Abneigung gegen Nutella allerdings redete ich mir im Laufe der Jahre so standhaft ein, dass ich es heute wirklich nicht essen mag. Ein Nahrungsmittel, dass ich als Kind tatsächlich nicht mochte, mich damit aber nicht besonders genug fühlte, war Reis. Doch um den soll es im nächsten Beitrag gehen.
nadjaschlueter - die Welt der Vergangenheit und die Vergangenheit der Welt - 19. Feb, 00:06
