Bademeister
Der traurige Berufsstand des Bademeisters taucht im Sommer in unseriösen Nachrichtensendungen genauso zuverlässig auf wie ein Bericht über verbotene Sommerkleidung im Büro oder der Test neuer Eissorten durch attraktive Mitbürger, gepaart mit Kommentaren unattraktiverer Mitbürger von der Straße. Laut Pro7-News und dem dort porträitierten Bademeister sind Shorts in diesem Jahr in Schwimmbädern gar nicht gern gesehen, da man damit viel, viel Wasser aus dem Becken schleppt und das, so der Bademeister, "ist ja schließlich richtig teuer." Vor laufender Kamera befördert er mittels Zentrifugalkraft ganze 300 ml Wasser aus einer einzigen Badeshorts, während deren Träger glücklicherweise nicht im Bild ist, sondern wahrscheinlich hinter dem Kameramann seine Scham zu bedecken sucht. Anschließend zupft der Bademeister einem jungen Schwimmer unschön am Hosenbund herum, um zu zeigen, dass der kleine Rüpel sogar zwei Hosen übereinander trägt und die unterere sei womöglich gar die Unterhose, igittigittigitt. "Uns kann das ja egal sein", sagt Lars, "wir gehen ja nicht in Schwimmbäder." Zum Glück, denn dann begegnen wir auch niemals der energischen Bademeisterin, deren Arbeit Punkt 12 uns zeigt und die die Worte "Glas", "Porzellan" und "verboten" so ausspricht, dass man in ihrer Stimme das Scheppern und Klirren zerberstender Gläser und Tassen auf den Waschbetonplatten eines schmuddeligen Schwimmbads hören kann, während zeitgleich wieder einmal ein Kleinkind ins Nichtschwimmerbecken zwischen die Mütter mit Badehauben uriniert.
nadjaschlueter - Fernsehen - 1. Aug, 19:15
