Der König wischt ein Gefühl hinfort
Ständig begegnet einem die Megalomanie. Es zählt immer nur das Ganze, das Große, es soll immer um alles gehen oder eben um nichts. Wie schade eigentlich! So viel verpasst man deswegen. In der Zeitung zum Beispiel wird immer nur die ganze CD besprochen, nie geht es mal um nur ein Lied. Dabei sind CDs doch so oft langweilig, aber dieses eine Lied auf ihnen, das wäre erwähnenswert. Wird dann ausnahmsweise mal ein einzelnes Lied rezensiert, zum Beispiel weil es sich um „Viva La Vida“ von Coldplay handelt und Potenzial hat, ein nervig-genialer Welthit zu werden, dann natürlich auch nur in seiner Gänze. Dabei wäre es doch auch hier lohnenswert, mal nur einen der Bausteine zu betrachten und zu lobpreisen. „But that was when I ruled the world” heißt es am Anfang und am Ende des Liedes. Was für ein Satz, vom „but“ bis zur „world“!
Man stelle sich einen älteren Mann vor, der ihn spricht, mit, das ist wichtig, noch mehr Nachlässigkeit als Melancholie: „Ja, aber das war doch, als ich die Welt beherrscht habe.“ So sagt er das und im Geiste des Zuhörers schließt er daran an: „Unwichtig jetzt! Olle Kammellen! Hilft uns jetzt auch nicht mehr weiter, das ist doch Kram von Anno Tobak. Was weg ist, ist weg.“ So stellt man sich doch einen guten König vor als königsunerfahrener Mensch: als einen, der, auch wenn er manchmal wehmütig zurückblickt, nie die Fassung verliert, als einen der larger than life ist, selbst angesichts eines Lebens, das so large war, dass es ihm die Herrschaft über die Welt eingebracht hat. Der König weiß, dass gestern gestern war und heute heute ist und dass, was morgen sein wird, auf einem ganz anderen Blatt steht. Das macht ihn nicht kaltherzig, auch ihn überkommt manchmal auf seinem Thron, dessen Schmuck früher schon ein bisschen prachtvoller war, im Arm seiner Konkubine, deren Haut früher doch etwas straffer war, dieses weiche Gefühl hinter den Augen, für das man überall in der Welt das deutsche Wort Sehnsucht importiert hat. Aber es macht ihn auch nicht schluffig, es macht ihn nicht zu einem seufzenden Rumhänger oder einer dauerfernsehenden Couchpotatoe, nein. Denn der König kann das weiche Gefühl hinter den Augen hinfort wischen, wenn es sein muss und wenn es drauf ankommt. Er sagt dann einfach, mit mehr Nachlässigkeit als Melancholie, „But that was when I ruled the world“ und macht eine wegwerfende Handbewegung. Deswegen lieben wir ihn ja und haben ihn zu unserem König gemacht.
Megalomanie sei das auch nur, könnte man nun sagen, würde damit aber Unrecht haben. Da liegt ja eben der Unterschied, begraben wie der Hund: Der Größenwahn braucht ein Lied, eine CD, ein Werk. Der Größe reicht auch ein Satz. But that was when I ruled the world.
Man stelle sich einen älteren Mann vor, der ihn spricht, mit, das ist wichtig, noch mehr Nachlässigkeit als Melancholie: „Ja, aber das war doch, als ich die Welt beherrscht habe.“ So sagt er das und im Geiste des Zuhörers schließt er daran an: „Unwichtig jetzt! Olle Kammellen! Hilft uns jetzt auch nicht mehr weiter, das ist doch Kram von Anno Tobak. Was weg ist, ist weg.“ So stellt man sich doch einen guten König vor als königsunerfahrener Mensch: als einen, der, auch wenn er manchmal wehmütig zurückblickt, nie die Fassung verliert, als einen der larger than life ist, selbst angesichts eines Lebens, das so large war, dass es ihm die Herrschaft über die Welt eingebracht hat. Der König weiß, dass gestern gestern war und heute heute ist und dass, was morgen sein wird, auf einem ganz anderen Blatt steht. Das macht ihn nicht kaltherzig, auch ihn überkommt manchmal auf seinem Thron, dessen Schmuck früher schon ein bisschen prachtvoller war, im Arm seiner Konkubine, deren Haut früher doch etwas straffer war, dieses weiche Gefühl hinter den Augen, für das man überall in der Welt das deutsche Wort Sehnsucht importiert hat. Aber es macht ihn auch nicht schluffig, es macht ihn nicht zu einem seufzenden Rumhänger oder einer dauerfernsehenden Couchpotatoe, nein. Denn der König kann das weiche Gefühl hinter den Augen hinfort wischen, wenn es sein muss und wenn es drauf ankommt. Er sagt dann einfach, mit mehr Nachlässigkeit als Melancholie, „But that was when I ruled the world“ und macht eine wegwerfende Handbewegung. Deswegen lieben wir ihn ja und haben ihn zu unserem König gemacht.
Megalomanie sei das auch nur, könnte man nun sagen, würde damit aber Unrecht haben. Da liegt ja eben der Unterschied, begraben wie der Hund: Der Größenwahn braucht ein Lied, eine CD, ein Werk. Der Größe reicht auch ein Satz. But that was when I ruled the world.
larsweisbrod - Brandneue Redewendungen - 28. Jul, 19:25

Creep in `twixt vows, and change decrees of kings,
Tan sacred beauty, blunt the sharp’st intents,
Divert strong minds to the course of altering things."