Living in a Lighthouse
Vor einiger Zeit, als ich noch an den Bahngleisen wohnte, da schrieb ich einmal darüber, wie sehr ich das Hupen der Züge schätze, weil sie immer noch so hupen wie die schwerfälligen Dampflokomotiven, die durch den Wilden Westen stampften, obwohl sie heute pfeilschnell durch Großstädte gleiten. Sicher hat man den Ton einfach niemals umdesignt wie zum Beispiel das Klick-Geräusch des Auotblinkers, weil es einfach kein zweckmäßigeres Hupen gibt, durch das man das gute alte ersetzen könnte und sollte. Ähnlich ist es mit einer der schönsten Einrichtungen im maritimen Raum: dem Leuchtturm. Mit Leuchttürmen verbinde ich irgendwann mal spannend gewesene und heute beruhigende "Fünf Freunde"-Geschichten, alte Seefahrtsabenteuer, Schmuggler mit dunklem Blick und kauzige Hafenstädte. Und dann stehe ich in Zeeland am Meer und die Nacht wird in Intervallen erhellt vom sich drehenden Leuchtturmlicht. Wie ich mich da freue, dass es schöne alte Dinge auch einmal nicht aus bloßem Nostalgiegeseiere heraus gibt wie die elenden Oldtimer-Busse für Stadtrundfahrten in die historische Altstadt oder Retro-Lampem für stylische WG-Wohnzimmer. Fast anachronistisch muten der Turm und sein Licht an wie auch das Hupen der Züge irgendwie nicht zeitgemäß klingt und es ist fast so erhebend wie mein kitschiger Freund, das Meer, dass Turm und Licht und Hupen trotzdem ins einundzwanzigste Jahrhundert gebettet sind wie der Füllfederhalter in das Füllfederhalteretui mit Füllfederhalterform im weichen Futter. Und um Erhabenheit und Kitsch noch ein bisschen zu steigern, stehen Arcade Fire am Strand und singen:
"Resurrected
Living in a lighthouse
If you leave the ships are gonna wreck
Resurrected
Living in a lighthouse
The lions and the lambs ain't sleeping yet."
"Resurrected
Living in a lighthouse
If you leave the ships are gonna wreck
Resurrected
Living in a lighthouse
The lions and the lambs ain't sleeping yet."
nadjaschlueter - Schönheitsthesen - 6. Jun, 19:28
