Neues zu "Schlag den Raab"
Das eigentlich Geniale an "Schlag den Raab" ist, dass die Sendung das richtige Verhältnis von Ereignis und medialer Vermittlung, d.h. Erzählung, wiederherstellt. Im Medienzeitalter ist die Beziehung zwischen dem, was passiert, und dem Interesse daran aus den Fugen geraten - sie wurde geradezu auf den Kopf gestellt. Einst musste sich das Interesse an der Welt ausrichten und den Zufälligkeiten und Gesetzen des Ereignisses folgen. Heute aber beklagen sich Fußballfans darüber, dass Anstoßzeiten vom medialen Bussiness bestimmt werden (1), jede politische Handlung wird vor ihrer Ausführung mit der PR-Maschinerie abgestimmt und wenn in China der berühmte Sack Reis umfällt, kommt der Kameramann und sagt, der Sack solle nochmal umfallen, er hätte ihn nicht richtig draufgehabt. Was wir erleben, passiert also nicht einfach so, sondern damit wir es erleben. Möglicherweise ist das sogar schon immer so gewesen, im 21. Jahrhundert aber merkt man es auch in jeder Sekunde. Das Erleben wird gestört.
Gegen diese Störung gibt es, wie gegen viele moderne Störungen, eigentlich kein Heilmittel. Der Weg zurück ist uns versperrt, die Flucht nach vorn macht alles nur noch schlimmer. Es bleibt also nur, wie bei so vielen modernen Störungen, die Flucht nach oben. Bei "Schlag den Raab" gestaltet sie sich so: Präsentiert werden Ereignisse, die als Spielshow-Elemente einer Unterhaltungssendung überhaupt nicht den Anspruch erheben, etwas anderes als reine Erlebnisauslöser zu sein. Gleichzeitig bestimmen aber diese Pseudoereignisse, wie und mit welchen Schwierigkeiten ihre Rezeption geschieht. Das Erlebnis wollte sich das Ereignis zum Untertan machen, doch plötzlich sieht es sich dort dem Widerstand entgegen, wo am wenigstens damit zu rechnen war, weil dieser Ort als Nicht-Winderständiger konzipiert war: im fingierten, rein virtuellen Ereignis. Konkret heißt das, dass der Fernsehzuschauer einen fünfstundigen Marathon überstehen muss, der den Rahmen eines Samstagsabends in einem revolutionär-terroristischen Akt sprengt; dass der Zuschauer banale Spiele vorgesetzt bekommt, dass ihm Längen zugemutet werden, dass Umbaupausen sich zu Hubschrauberflügen ausweiten.
Die Entwickler der Raab'schen Sportformate müssen diesen Punkt unbewusst im Kopf gehabt haben. In den Sportveranstaltungen, die sie sich anschicken zu imitieren, haben sie mit einem Blick fürs Detail jene wunderbaren Überbleibsel entdeckt, die von den alten Zeiten künden, als Erlebnis und Ereignis noch im richtigen Verhältnis zueinander standen (2). Dieses Verhältnis stellen sie wieder her und geben damit dem Ereignis seine Nicht-Hergestelltheit zurück. Die Störung der Moderne verlegen sie auf die nächsthöhrere Ebene: Das Verhältnis selbst ist jetzt gemacht. Ihm haftet das Makel des "damit" an, das ist der Preis. Billiger aber, so scheint es, kommen wir aus der Nummer nicht mehr heraus.
(1) Der Fan im Stadion hat natürlich ebenfalls Interesse daran, das Ereignis seinem Interesse fügig zu machen. Sein Einfluss stört das Eigentliche des Spiels aber weniger und fällt daher nicht in diesem Maße auf.
(2) Auf die Frage, ob Sport nicht schon immer allein um des Erlebnis' willen stattfand, lässt sich antworten: Ja, aber um das Erlebnis' des Sportlers willen.
Gegen diese Störung gibt es, wie gegen viele moderne Störungen, eigentlich kein Heilmittel. Der Weg zurück ist uns versperrt, die Flucht nach vorn macht alles nur noch schlimmer. Es bleibt also nur, wie bei so vielen modernen Störungen, die Flucht nach oben. Bei "Schlag den Raab" gestaltet sie sich so: Präsentiert werden Ereignisse, die als Spielshow-Elemente einer Unterhaltungssendung überhaupt nicht den Anspruch erheben, etwas anderes als reine Erlebnisauslöser zu sein. Gleichzeitig bestimmen aber diese Pseudoereignisse, wie und mit welchen Schwierigkeiten ihre Rezeption geschieht. Das Erlebnis wollte sich das Ereignis zum Untertan machen, doch plötzlich sieht es sich dort dem Widerstand entgegen, wo am wenigstens damit zu rechnen war, weil dieser Ort als Nicht-Winderständiger konzipiert war: im fingierten, rein virtuellen Ereignis. Konkret heißt das, dass der Fernsehzuschauer einen fünfstundigen Marathon überstehen muss, der den Rahmen eines Samstagsabends in einem revolutionär-terroristischen Akt sprengt; dass der Zuschauer banale Spiele vorgesetzt bekommt, dass ihm Längen zugemutet werden, dass Umbaupausen sich zu Hubschrauberflügen ausweiten.
Die Entwickler der Raab'schen Sportformate müssen diesen Punkt unbewusst im Kopf gehabt haben. In den Sportveranstaltungen, die sie sich anschicken zu imitieren, haben sie mit einem Blick fürs Detail jene wunderbaren Überbleibsel entdeckt, die von den alten Zeiten künden, als Erlebnis und Ereignis noch im richtigen Verhältnis zueinander standen (2). Dieses Verhältnis stellen sie wieder her und geben damit dem Ereignis seine Nicht-Hergestelltheit zurück. Die Störung der Moderne verlegen sie auf die nächsthöhrere Ebene: Das Verhältnis selbst ist jetzt gemacht. Ihm haftet das Makel des "damit" an, das ist der Preis. Billiger aber, so scheint es, kommen wir aus der Nummer nicht mehr heraus.
(1) Der Fan im Stadion hat natürlich ebenfalls Interesse daran, das Ereignis seinem Interesse fügig zu machen. Sein Einfluss stört das Eigentliche des Spiels aber weniger und fällt daher nicht in diesem Maße auf.
(2) Auf die Frage, ob Sport nicht schon immer allein um des Erlebnis' willen stattfand, lässt sich antworten: Ja, aber um das Erlebnis' des Sportlers willen.
larsweisbrod - Fernsehen - 31. Mai, 22:47
