Für meine Tomaten
Der neue Edeka um die Ecke ist eine Oase, ein Paradies und ein schönes Ausflugsziel. Es ist so hell dort und so frisch und die überwachten Kunden sieht man auf riesigen modernen Flachbildschirmen herumspazieren. Nimmt man etwas aus dem ordentlich sortierten Regal und kommt fünf Minuten später noch einmal an der gleichen Stelle vorbei, ist die Lücke, die das herausgenommene Schokomüsli gerissen hat, bereits geschlossen. Die Produkte sind in die Regalfächer eingepasst, als habe man die Dose hingestellt und dann das Regal um sie herum konstruiert wie die Schneiderin das Kleid um die pralle Mariah Carey. Wenn die Kassenschlange mal zu lang ist, schenken einem lächelnde Angestellte Süßigkeiten oder Leberwürste und die Gelassenheit, mit der die Kassiererinnen die Ware am Scanner vorbeiziehen, muss der Wunschtraum eines jeden LIDL-Mitarbeiters sein. Doch nachdem man an der Kasse sein Kleingeld in den High-Tech-Kleingeldautomaten geworfen hat, taucht er auf, der einzige, der unpassende, der ärgerliche Mangel, der dem Einkauf einen dumpfen Schlag auf sein majestätisches Haupt versetzt: Die Warenablagefläche hinter der Kasse ist klein und schmal und kurz. Und sie hat keinen Trennstab! Jemand wie ich, der sich weigert für ein bisschen Kram einen Einkaufswagen oder einen Korb zu bemühen, dann aber doch immer mehr kauft als geplant und an der Kasse erschöpft und erlöst vornübergebeugt die Arme öffnet und einen Schwall an Einzelteilen auf das Band fallen lässt, dem ist die Warenablage hinter der Kasse ein Graus, wenn sie klein, schmal, kurz und ohne Trennstab ist. Der nächste Kunde folgt auf dem Fuße und seine Ware schiebt sich in den Hügel meiner Ware, presst ihn zusammen, durchteilt ihn oder überdeckt ihn gar. Nicht mal die Gelassenheit der Edeka-Kassiererin kann dieses Desaster verhindern und Kassendame wie Kassenschlange müssen mitleidig mitansehen, wie meine nun sowieso schon ageschlagenen Tomaten bei dem hektischen Versuch, meine Arme perfekt auszunutzen und alles ausfzusammeln, zwischen meine Füße und die des auf meine folgenden nächsten Kunden fallen. In solchen Momenten fühle ich mich kaum besser aufgehoben als bei LIDL, wo die Tüten, Dosen und Packungen einfach hinten vom Band ins Nichts fallen.
Wer Lebensmittel liebt, der sollte ihnen auch nachdem sie die Kasse, den Sanner, die Grenze zur Außenwelt passiert haben, Platz gönnen. Und einen Stab, um diesen Platz zu teilen. Für ein bisschen mehr Raum, Zeit und Privatsphäre für meine Tomaten.
Wer Lebensmittel liebt, der sollte ihnen auch nachdem sie die Kasse, den Sanner, die Grenze zur Außenwelt passiert haben, Platz gönnen. Und einen Stab, um diesen Platz zu teilen. Für ein bisschen mehr Raum, Zeit und Privatsphäre für meine Tomaten.
nadjaschlueter - das ganz kleine Grauen - 27. Mai, 10:57

und ich weiß, dass euch sowas interessiert.
(entschuldige nochmal wegen freitag, es war mir unmöglich auch nur den kleinen finger zu krümmen)
(Und das mit Freitag - es war übrigens ein Donnerstag - ist gar nicht schlimm. Das holen wir dann einfach wann anders nach.)