Freier Wille, Physikalismus, Zarah Leander
Das mit dem freien Willen hat sich ja so gut wie erledigt. Gibt es nicht. Hat es nie gegeben. Vollkommen inkonsistent, als Begriff. Bumms aus. Klappe zu, Affe tot. Gehen Sie nach Hause, es gibt nichts mehr zu sehen. Beziehungsweise: Wenn es ihn doch gibt, dann ist er nicht das, was wir eigentlich wollten. Kennen wir ja. Man kriegt nie, was man will. Aber wen interessiert's schon? Ändert doch alles nix! Auch der forscheste Hirnforscher bleibt morgens nicht im Bett liegen, weil er darauf wartet, dass sein Gehirn, der blöde Kasten, sich für oder gegen Aufstehen entscheidet. Die Illusion eines freien Willens hilft ihm aus dem Bett! Sie hilft ihm ins Bad, in die Schuhe, in die Hirnforschungsstelle und abends ins Bett zu seiner Frau. Aber was heißt hier Illusion? Welch billige euphemistische Umschreibung! Eine Lüge ist's doch wohl, 'ne knallharte, auch wenn man sich mit ihr bloß sebst belügt. Aber das reicht doch! Lüge, Lüge, Lüge nennen wir dich, du alten Gedanken an unser autonomes Selbst. Eine der wichtigsten Pfeiler unseres Hierseins: 'ne Lüge! Wertet das jetzt den Pfeiler ab oder die Lüge auf? Die Lüge auf, natürlich! Aber es ist ja nicht nur irgendeine Lüge. Selbst wenn wir wissen, dass es eine Lüge ist, lassen wir uns weiterbelügen. Und selbst wenn wir wissen, dass wir uns weiterbelügen lassen, obwohl wir wissen, dass es eine Lüge ist, lassen wir uns weiterbelügen. Und so weiter. Und so fort. Da kommt man nicht mehr raus. Die Lüge ist einem immer schon einen Schritt voraus. Wie der Igel dem Hasen, würden Feuilletonisten jetzt sagen. Die Lüge ist mehr als die berühmte Summe ihrer Teile. Die Lüge ist, wenn dieses Wort im 21. Jahrhundert überhaupt noch irgendeinen Sinn ergibt: transzendent! Transzendenz, du schönes Ding, wir haben dich endlich wieder. Hier bist du, sei gegrüßt, wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!
Aber das mit der Lüge und der Transzendenz hört ja nicht auf bei dem einen Pfeiler. Das geht weiter. Die physische Welt um uns herum: Vollkommen unsicher, das ganze Zeutg. Vermutlich nur die weniger schlechte vieler schlechter Theorien. Eine schwache Hypothese, getragen auf den mächtigen Betonstützen der Nützlichkeit. Aber: Who cares? We don't! Denn wir belügen uns transzendent und führen uns selbst hinters Licht. Tun so, als sei da wirklich ein Tisch, ein Stuhl, ein Hirnforscherehefrauenkörper, nur weil man das anfassen kann und sehen und riechen. Wahrheit, Bedeutung, Schönheit, das gibt es nach letztem Erkenntnisstand (siehe Zeitung von gestern oder vorgestern) doch alles gar nicht und dann doch wieder, weil wir die Lüge herumerzählen, es gäbe das alles. Weil unsere Lügen transzendente Weltretter sind, mit denen wir aus dem nichts die wunderbarsten Sachen entstehen lassen. Auch die Wunderbarste, wie ein adoptierter Karnevalsschlager der vergangenen Session uns mitteilt. Gehen tut der so:
"Es ist ja ganz gleich,
wen wir lieben,
und wer uns das Herz einmal bricht.
Wir werden vom Schicksal getrieben
und das Ende ist immer Verzicht.
Wir glauben und hoffen und denken,
daß einmal ein Wunder geschieht,
doch wenn wir uns dann verschenken
ist es das alte Lied:
Nur nicht aus Liebe weinen,
es gibt auf Erden nicht nur den einen.
Es gibt so viele auf dieser Welt,
ich liebe jeden, der mir gefällt!
Und darum will ich heut Dir gehören,
Du sollst mit Treue und Liebe schwören,
wenn ich auch fühle, es muß ja Lüge sein,
ich lüge auch und bin Dein.
Wir kamen von Süden und Norden
mit Herzen so fremd und so stumm
so bin ich die Deine geworden
und ich kann Dir nicht sagen warum.
Denn als ich mich an Dich verloren,
hab ich eines anderen gedacht.
So war die Lüge geboren
schon in der ersten Nacht.
Nur nicht aus Liebe weinen,
es gibt auf Erden nicht nur den einen,
es gibt so viele auf dieser Welt
ich liebe jeden, der mir gefällt !
Und darum will ich heut Dir gehören,
Du sollst mit Treue und Liebe schwören,
wenn ich auch fühle, es muß ja Lüge sein,
ich lüge auch und bin Dein."
Aber das mit der Lüge und der Transzendenz hört ja nicht auf bei dem einen Pfeiler. Das geht weiter. Die physische Welt um uns herum: Vollkommen unsicher, das ganze Zeutg. Vermutlich nur die weniger schlechte vieler schlechter Theorien. Eine schwache Hypothese, getragen auf den mächtigen Betonstützen der Nützlichkeit. Aber: Who cares? We don't! Denn wir belügen uns transzendent und führen uns selbst hinters Licht. Tun so, als sei da wirklich ein Tisch, ein Stuhl, ein Hirnforscherehefrauenkörper, nur weil man das anfassen kann und sehen und riechen. Wahrheit, Bedeutung, Schönheit, das gibt es nach letztem Erkenntnisstand (siehe Zeitung von gestern oder vorgestern) doch alles gar nicht und dann doch wieder, weil wir die Lüge herumerzählen, es gäbe das alles. Weil unsere Lügen transzendente Weltretter sind, mit denen wir aus dem nichts die wunderbarsten Sachen entstehen lassen. Auch die Wunderbarste, wie ein adoptierter Karnevalsschlager der vergangenen Session uns mitteilt. Gehen tut der so:
"Es ist ja ganz gleich,
wen wir lieben,
und wer uns das Herz einmal bricht.
Wir werden vom Schicksal getrieben
und das Ende ist immer Verzicht.
Wir glauben und hoffen und denken,
daß einmal ein Wunder geschieht,
doch wenn wir uns dann verschenken
ist es das alte Lied:
Nur nicht aus Liebe weinen,
es gibt auf Erden nicht nur den einen.
Es gibt so viele auf dieser Welt,
ich liebe jeden, der mir gefällt!
Und darum will ich heut Dir gehören,
Du sollst mit Treue und Liebe schwören,
wenn ich auch fühle, es muß ja Lüge sein,
ich lüge auch und bin Dein.
Wir kamen von Süden und Norden
mit Herzen so fremd und so stumm
so bin ich die Deine geworden
und ich kann Dir nicht sagen warum.
Denn als ich mich an Dich verloren,
hab ich eines anderen gedacht.
So war die Lüge geboren
schon in der ersten Nacht.
Nur nicht aus Liebe weinen,
es gibt auf Erden nicht nur den einen,
es gibt so viele auf dieser Welt
ich liebe jeden, der mir gefällt !
Und darum will ich heut Dir gehören,
Du sollst mit Treue und Liebe schwören,
wenn ich auch fühle, es muß ja Lüge sein,
ich lüge auch und bin Dein."
larsweisbrod - aus unseren Badezimmern - 17. Apr, 21:33
