Ich habe mir heute ein T-Shirt für 30 Euro gekauft, im gerade allseits so beliebten New-Rave-Look. Angesichts dieser vollkommen unsouveränen Tat muss ich mir nun endlich eingestehen: Ich bin keine Stilikone und werde es auch niemals sein. Ich bin ganz im Gegenteil das mitunter Schlechteste, das man aus Sicht der Mode werden kann: einer, der auf die Schaumkrone der Welle aufspringt, wenn sie sich zu ihrer größten Höhe aufgetürmt hat, ein ästhetischer Parasit, ein latest adopter. Und es ist auch nicht so, als ließe dieses Versagen irgendeinen Raum für Romantisierung, wie sie allen Arten von Versagen sonst so gern zu Teil wird. Denn ein latest adopter ist kein too late adopter, wer auf die Welle aufspringt, der hat sie wenigstens noch nicht verpasst. Er stürzt nicht, fällt nicht auf die Nase und verdreht sich dabei nicht übel die Gelenke, er ist also keinesfalls ein tragischer Held, der von der Schnellebigkeit der Welt böse überrollt wurde, weil er nicht mithalten konnte und sich gerade Slip Ons mit Totenkopfprint gekauft hat. Nein, der latest adopter ist gar nichts, er hat keine Besonderheit, weder diachron noch synchron, er bietet keinerlei Reibungsfläche, er sticht nicht heraus. Er hat eigentlich überhaupt keine Eigenschaften. Diese Eigenschaftslosigkeit ist im Staat der Mode selbstverständlich das sichere Todesurteil. Ich schäme mich, jetzt wo mir das alles so klar geworden ist. Ich wünsche mir so sehr, ich könnte auch nur ein einziges Mal etwas etablieren, vorne mit dabei sein, den Trend setten. Ich muss den nächsten Stil ja nicht erfinden, aber der, der es tut, könnte doch so nett sein, mir vor allen anderen Bescheid zu sagen. Unter diesem Gesichtspunkt ärgere ich mich besonders, dass ich mir vor zwei Jahren jenes T-Shirt einer Band aus den Vereinigten Staaten nicht bestellt habe, von der ich glaube, dass sie dieses ganze New-Rave-Ding schon vor den meisten Europäern betrieben hat, nur aufgezogen von einer anderen Seite. Ich hätte einmal kein latest adoptor sein können, sondern ein early adaptor, ein früher Vogel, der den Wurm fängt. Aber ach! Was ist das überhaupt für ein Wunsch? Einer, den nur ein latest adopter hegen könnte. Nur ein latest adopter at heart.
18.11.: Der Koblenzer Reimstein im Circus Maximus, u.a. mit Anke Fuchs, Florian Cieslik und Andy Strauß. Lars und Nadja moderieren. 19.-22.11.: SLAM 2008 - Die deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften in Zürich. Lars kommt hoffentlich doch noch mit und Nadja tritt für Wiesbaden an.