Ein Vorwort
Ich reise nicht gern. Das heißt, ich muss mich da genauer ausdrücken, ich reise momentan nicht gern. Eigentlich halte ich Reisen in ferne und nahe Länder für eine der besten Möglichkeiten, die Zeit, die einem hier auf Erden gegeben ist, herumzukriegen. Doch möchte ich mir diese Möglichkeit aufbewahren oder, pessimistischer formuliert, ich schiebe diese Aufgabe, zu reisen, hinaus. Ich weiß, das Hinausschieben ist keine Tugend, aber vielleicht lässt es sich ja in eine Tugend verwandeln. Wer nicht reist, ist gezwungen, das, was vom Reisen erwartet wird, neue Eindrücke, bestaunenswerte Phänomene, eine neue Sicht auf die Dinge, zuhause, bei ihm um die Ecke zu finden. Was macht er aus diesem Zwang? Ich habe versucht, ihm so gut es ging zu folgen, und die Ergebnisse niedergeschrieben. Damit der geneigte Leser mir auf diesem Weg folgen kann, möge er die vorliegenden Texte als Reisereportagen betrachtet, was zwar falsch, das aber wenigstens gleich zweifach ist: So bin ich weder verreist, um sie zu schreiben, noch sind es tatsächlich Reportagen, viel mehr Beobachtungen, Aufsätze und Erinnerungen, bei einem Text handelt es sich gar um eine Liebeserklärung, bei einem anderen um ein tendenziöses Pamphlet.Dennoch, bei aller Unterschiedlichkeit der versammelten Texte, geht es in diesem Buch in erster Linie um Orte, welche ja die Essenz des Reisens bilden; in zweiter Linie um Architektur und Konsum, und schließlich geht es drittens auch um mich, denn ich habe das Buch ja geschrieben.
larsweisbrod - Interna - 3. Mrz, 14:21
