Zwei traurige Fernseherlebnisse
Gestern abend sind mir zwei besonders traurige Fernseherlebnisse widerfahren. Auf RTL2, dem Sender, von dem gern behauptet würde, er sei der Sender der bildungsfernen Schichten, gab es eine Reportage über das Heiraten zu sehen. Bei einer Reportage übers Heiraten im bildungsfernen Programm durfte eines natürlich nicht fehlen: der Blick auf eine Trauung in der Kapelle der Schalke-Arena. Es war nicht dieser Blick, der so traurig war, es waren die Bilder der nachfolgenden Feierlichkeiten in einer Grundschule, genauer gesagt der O-Ton einer älteren Dame dort. Sie saß betröppelt vor ihrem Pappteller Kartoffelsalat und antwortete auf die Frage, wie es ihr gefalle: "Na ja, vielleicht wird es später ja noch besser." "Na ja, vielleicht wird es später ja noch besser", das ist vermutlich der traurigste Satz, den ein Gast auf einer Hochzeit aussprechen kann. Nicht nur erfahren wir durch ihn, dass es an diesem angeblich schönsten Tag im Leben gar nicht so schön ist (sondern eher so papptellerkartoffelsalatmäßig mittelschlecht). Was noch schlimmer ist, er offenbart auch noch die markerschütternd traurige Naivität, zu glauben, es würde nachher vielleicht noch besser. Natürlich wird es das nicht. Es wird nie nachher noch besser.
Das zweite traurige Erlebnis trug sich auf Pro7 zu, wo es eine Musiksendung mit Ausscheidungscharakter unter der strengen Fuchtel von Stefan Raab zu sehen gab. Zum Zwecke der Punktevergabe waren aus allen Landeshauptstädten der Republik Frühstücksradiomoderatorenpärchen zugeschaltet. Weil Frühstücksradiomoderatoren mit ihren Frühstücksradiogesichtern und Frühstücksradiopärchennamen aber so ein schlechtes Fernsehbild abgeben, hatte man ihnen jeweils einen kleinen Haufen Jubelperser in den Rücken gestellt, wohl mit der Anweisung, gleich bei der Schalte "mal ordentlich Krach zu machen" (das verhinderte natürlich auch nicht, dass sich angesichts dieses versammelten Elends der Eindruck aufdrängte, diese ganze deutsche Radiolandschaft gehöre endlich einmal gesprengt). Der Gipfel der Traurigkeit ward aber erklommen, als einer der Jubelperser von unten rechts eine Pfui-Kelle in die Kamera hielt. Die Pfui-Kelle, man erinnert sich dunkel, ist ein Humorrelikt aus grauer Stefan-Raab-Vorzeit. Wie traurig mutet es an, jemanden zu sehen, der sie einfach so in die Kamera hält, sich nicht bewusst der mörderischen Geschwindigkeit der Unterhaltungsindustrie, der heute schon peinlich-albern anmutet, was gestern war. Es wird nie nachher noch besser, aber früher, früher war's eigentlich noch schlimmer.
Das zweite traurige Erlebnis trug sich auf Pro7 zu, wo es eine Musiksendung mit Ausscheidungscharakter unter der strengen Fuchtel von Stefan Raab zu sehen gab. Zum Zwecke der Punktevergabe waren aus allen Landeshauptstädten der Republik Frühstücksradiomoderatorenpärchen zugeschaltet. Weil Frühstücksradiomoderatoren mit ihren Frühstücksradiogesichtern und Frühstücksradiopärchennamen aber so ein schlechtes Fernsehbild abgeben, hatte man ihnen jeweils einen kleinen Haufen Jubelperser in den Rücken gestellt, wohl mit der Anweisung, gleich bei der Schalte "mal ordentlich Krach zu machen" (das verhinderte natürlich auch nicht, dass sich angesichts dieses versammelten Elends der Eindruck aufdrängte, diese ganze deutsche Radiolandschaft gehöre endlich einmal gesprengt). Der Gipfel der Traurigkeit ward aber erklommen, als einer der Jubelperser von unten rechts eine Pfui-Kelle in die Kamera hielt. Die Pfui-Kelle, man erinnert sich dunkel, ist ein Humorrelikt aus grauer Stefan-Raab-Vorzeit. Wie traurig mutet es an, jemanden zu sehen, der sie einfach so in die Kamera hält, sich nicht bewusst der mörderischen Geschwindigkeit der Unterhaltungsindustrie, der heute schon peinlich-albern anmutet, was gestern war. Es wird nie nachher noch besser, aber früher, früher war's eigentlich noch schlimmer.
larsweisbrod - Fernsehen - 15. Feb, 20:57

Mal ehrlich....
Natürlich geht das gegen den Strich bundesbürgerlicher Erziehung. "Nicht wegsehen" wird uns da eingebleut, "Ziwilkurasche!" heißt das Motto. Aber dann schaut man hin und man hat die Wahl ob man jetzt blöde wird oder dumm oder versucht das jetzt irgendwie zu analysieren um sich vorzumachen man würde ja nicht dumm werden weil man ja irgendwie so einen Abstand hätte, und es nutzt doch nichts.
Man gibt einfach nach, wirft die bürgerliche Konditionierung über Bord und... schaut weg. Schaltet ab.
Aber vielleicht läuft gerade ein Jean-Claude can Damme Film auf Vox.