Die Realität und Tom Cruise
Die Realität ist bekanntlicherweise eine Blinde, die uns und unsere Vorstellungen und Phantasien auf einem klapprigen Moped mit 180 Sachen rechts auf der Atuobahn überholt. Da sitzt man zum Beispiel nichts ahnend montagsnachts in der Straßenbahn und spricht über den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise. Weil dann im Straßebahnfernsehen was über Flocke, das niedliche Nürnberger Eisbärbaby kommt, lässt man die Muskeln der Vorstellungskraft spielen: Wäre es für Tom Cruise nicht angemessen nach Graf Stauffenberg die beiden anderen großen deutschen Mythen, die Nationalheiligen Knut und Flocke zu mimen? Oder noch besser: Tom Cruise im Kostüm des namenlosen Eisbärenbabys, das von seiner Mutter verschlungen wurde, und kurz bevor das Muttertier zubeißt, reißt Cruise die tapsige Eisbärepfote in die Höhe und ruft: "Es lebe das heilige Deutschland!" Und happs, schmatzschmatz, weg ist er.
Aber da hatten wir die Straßenbahnrechnung ohne die alte Tante Realität gemacht, die schon längst an uns vorbeigerauscht war. Nicht ganz, was wir uns gedacht hatten. Aber für eine Blinde nicht schlecht gezielt!
Aber da hatten wir die Straßenbahnrechnung ohne die alte Tante Realität gemacht, die schon längst an uns vorbeigerauscht war. Nicht ganz, was wir uns gedacht hatten. Aber für eine Blinde nicht schlecht gezielt!
larsweisbrod - Prominentenbesprechungen - 12. Feb, 12:20
