Ein Meer voll Grauen mit Bröckchen
Der Sonntagmittag ist meist der Sonntagmorgen. Man ist langsam und träge, schläft lang, früstückt lang, duscht lang. Wenn man also ausgeschlafen hat und unheimlich wohlig satt ist, begibt man sich langsam und träge ins Bad, sehr langsam und träge, man schlurft regelrecht dorthin und freut sich darüber, dass man eine wiederkehrende Situation im Leben hat, zu der der Begriff "schlurfen" derart gut passt.
Auch der gestrige Sonntag verlief bis zu diesem Zeitpunkt genau wie geschildert. Vor der Badewanne ereilten mich dann jedoch ein verfrühter Schlurfstopp und der erste hellwache Moment des Tages: statt einer einladenden, reinen Wanne sah ich mich einem Meer aus mit Bröckchen durchsetztem essigfarbenem Wasser und einem quellgleichen Sprudeln entgegen. Das Grauen, das Grauen aus dem Abfluss, das schon so einige mit dem oft sehr wüsten Gluckern aus unseren Rohren assoziiert hatten, jetzt war es also da. Und es hatte Bröckchen mitgebracht. Alles Pümpeln und Fluchen und während des Pümpelns Fluchen half nichts. Die Badewanne blieb ein Neapel nach heftigen Regengüssen, ein erstes Klärwerkbecken, ein Meer voll Grauen mit Bröckchen.
"Ach bitte", flehte ich, während ich mit dem randvollen Eimer zwischen Badewanne und Toilette hin- und herpendelte, "ach bitte erzähle mir doch eine Geschichte von einem klaren Bergsee." Uns ach bitte, ach bitte, wirf mich dann hinein.
Auch der gestrige Sonntag verlief bis zu diesem Zeitpunkt genau wie geschildert. Vor der Badewanne ereilten mich dann jedoch ein verfrühter Schlurfstopp und der erste hellwache Moment des Tages: statt einer einladenden, reinen Wanne sah ich mich einem Meer aus mit Bröckchen durchsetztem essigfarbenem Wasser und einem quellgleichen Sprudeln entgegen. Das Grauen, das Grauen aus dem Abfluss, das schon so einige mit dem oft sehr wüsten Gluckern aus unseren Rohren assoziiert hatten, jetzt war es also da. Und es hatte Bröckchen mitgebracht. Alles Pümpeln und Fluchen und während des Pümpelns Fluchen half nichts. Die Badewanne blieb ein Neapel nach heftigen Regengüssen, ein erstes Klärwerkbecken, ein Meer voll Grauen mit Bröckchen.
"Ach bitte", flehte ich, während ich mit dem randvollen Eimer zwischen Badewanne und Toilette hin- und herpendelte, "ach bitte erzähle mir doch eine Geschichte von einem klaren Bergsee." Uns ach bitte, ach bitte, wirf mich dann hinein.
nadjaschlueter - aus unseren Badezimmern - 14. Jan, 23:05
