Gar nicht um der Schönheit willen
Die schönste Seite der Zeitung ist immer noch die Wissenschaftsseite. Auf der konnten wir vergangene Woche von einem Kongress lesen, zu der allerhand Ärzte gekommen waren, um herauszufinden, wie die Versorgung großer verstrahlter Massen nach einem nuklearen Unfall oder Anschlag funktionieren könnte. Kein grundschönes Ereignis, so ein Kongress, sicher, schöner als ein nuklearer Unfall oder Anschlag, aber reicht nicht schon der Gedanke daran, um dem noch unverstrahlten Zeitungsleser den Tag zu verderben? Doch nicht mit der Wissenschaftsseite, denn die Wissenschaftsseite fördert in ihrer positivistischen Unschuld immer wieder die schönsten Wörter zu Tage und das Schönste an diesen schönsten Wörtern ist, dass sie gar nicht um der Schönheit willen erdacht wurden, wie ihre Wortbrüder und -schwestern aus dem Feuilleton oder gar - oh graus, dann doch lieber nuklearer Unfall - aus der Literatur. Sie sind also schön, aber tragen nicht die schwere Bürde der offiziellen Schönheit - und das macht sie nur noch schöner, denn auch schöne Menschen sind es ja noch mehr, wenn sie nichts tragen!
Das größte Problem, sagt die Wissenschaftsseite also, seien bei so einem nuklearen Unfall oder Anschlag die worried well, also jene, die die Krankenhäuser stürmen würden, obwohl sie gesund sind. Hat man je von einem schöneren größten Problem gehört? Worried well, diese Worten fließen aus der Wissenschaftsseite heraus direkt in den Kopf wie ein kalter Gebirgsbach mit Traubensaftschorle, sie sprudeln dort herum und lassen den Leser nicht mehr los. Wer wollte das nicht gern sein, ein worried well? Man muss es sich nur einmal vorstellen, wie man da leben würde: Man säße in großen holzvertäfelten Bibliotheken in seinem Lieblingsohrensessel, stopfte sich die Pfeife und grübele über die großartigsten Dinge nach, zum Beispiel darüber, dass man noch eine zweite Übergangsjacke bräuchte für den Frühling. Damit beschäftigte man sich dann den ganzen Nachmittag, als worried well, und abends ließe man den Tag im Kreise seiner Freunde mit einer guten Tasse Tee, serviert von der resoluten Haushälterin, ausklingen, während andere vor lauter Bürostress wieder keine Zeit hatten über eine zweite Übergangsjacke nachzudenken oder nicht mal eine erste besitzen. So muss man sich es also vorstellen, mit den worried well, und da muss das Feuilleton und die Literatur doch erst mal heranlangen, solche Vorstellungen mit nur zwei kleinen alliterierten Wörtern zu evozieren. Was die Mediziner angeht, denen das alles, Vorstellungen und Wörter und Alliterationen, ja notwendigerweise egal ist, so hoffen wir für sie, dass beim nächsten nuklearen Unfall oder Anschlag, der, Gott verhüt's, hoffentlich nie geschehen wird, die besorgten Gesunden sich einfach ihre zweite Übergangsjacke nehmen, gegen den Fallout, und an den Krankenhäusern vorbeispazieren.
Das größte Problem, sagt die Wissenschaftsseite also, seien bei so einem nuklearen Unfall oder Anschlag die worried well, also jene, die die Krankenhäuser stürmen würden, obwohl sie gesund sind. Hat man je von einem schöneren größten Problem gehört? Worried well, diese Worten fließen aus der Wissenschaftsseite heraus direkt in den Kopf wie ein kalter Gebirgsbach mit Traubensaftschorle, sie sprudeln dort herum und lassen den Leser nicht mehr los. Wer wollte das nicht gern sein, ein worried well? Man muss es sich nur einmal vorstellen, wie man da leben würde: Man säße in großen holzvertäfelten Bibliotheken in seinem Lieblingsohrensessel, stopfte sich die Pfeife und grübele über die großartigsten Dinge nach, zum Beispiel darüber, dass man noch eine zweite Übergangsjacke bräuchte für den Frühling. Damit beschäftigte man sich dann den ganzen Nachmittag, als worried well, und abends ließe man den Tag im Kreise seiner Freunde mit einer guten Tasse Tee, serviert von der resoluten Haushälterin, ausklingen, während andere vor lauter Bürostress wieder keine Zeit hatten über eine zweite Übergangsjacke nachzudenken oder nicht mal eine erste besitzen. So muss man sich es also vorstellen, mit den worried well, und da muss das Feuilleton und die Literatur doch erst mal heranlangen, solche Vorstellungen mit nur zwei kleinen alliterierten Wörtern zu evozieren. Was die Mediziner angeht, denen das alles, Vorstellungen und Wörter und Alliterationen, ja notwendigerweise egal ist, so hoffen wir für sie, dass beim nächsten nuklearen Unfall oder Anschlag, der, Gott verhüt's, hoffentlich nie geschehen wird, die besorgten Gesunden sich einfach ihre zweite Übergangsjacke nehmen, gegen den Fallout, und an den Krankenhäusern vorbeispazieren.
larsweisbrod - Schönheitsthesen - 10. Dez, 19:59
