Würdige Titel
Nicht so schwer ist es, einen der bedeutensten Texte seiner Zeit zu verfassen, das können selbst gescheiterte Existenzen wie Kant und Heidegger, die zu sonst nichts in der Lage waren. Schwer wird es, geht es daran, seinem epochalen Aufsatz einen der Epochalität würdigen Titel zu verleihen. Der Königsberger Dauerspaziergänger und der trachtentragende Hölderlinfan sind an dieser Aufgabe, wie zu erwarten, komplett gescheitert. "Kritik der reinen Vernunft", das ist ein Titel tief aus der Mottenkiste mit den Genitiv-plus-Adjektiv-Phrasen, auf diese in vier Wörter gebannte Phantasielosigkeit wäre sicher auch Tom Clancy oder Franz Josef Wagner gekommen. Kaum besser ist da "Sein und Zeit", eine von Pathos nur so triefende Konjunktion, die jeder halbgebildete Lektor durchgestrichen und mit der Bemerkung versehen hätte, ob es nicht auch etwas weniger Aufgeblasen gehe. Was aber auch nichts gebracht hätte, weil der uneinsichtige Heidegger ihm "Nee, geht es nich!" geantwortet hätte.
Zum Glück aber gibt es Menschen mit imposanten Namen wie Willard Van Orman Quine. Der große Philosoph, der von seinen Freunden stets "Kleinbus" genannt wurde, schrieb vor 59 Jahren einen der wichtigsten Aufsätze des 20. Jahrhunderts. Über diesen hat er dann wiederum einen so wunderbaren Titel gesetzt, dass man den Aufsatz schon gar nicht mehr lesen mag, in der Befürchtung, er könne, bei aller Genialität, gegenüber dem Titel nur abstinken: "On what there is". "On what there is", das ist wahr, schön und gut, das ist einprägsam und simpel, von künstlerischer Brillanz, eine Wendung, die einem bittere Tage versüßen kann, ohne dass man wissen müsste, was sie überhaupt bedeutet, und nicht zuletzt, ein untrügliches Zeichen für großen lyrischen Gehalt, nahezu unübersetzbar. "Was es gibt" lautet dementsprechend albern auch der deutsche Titel des Aufsatzes, so dass man geneigt wäre, ihm zu antworten "Rosenkohl" bzw. "Eins aufs Maul", wenn man Titeln denn antworten könnte.
Zum Glück aber gibt es Menschen mit imposanten Namen wie Willard Van Orman Quine. Der große Philosoph, der von seinen Freunden stets "Kleinbus" genannt wurde, schrieb vor 59 Jahren einen der wichtigsten Aufsätze des 20. Jahrhunderts. Über diesen hat er dann wiederum einen so wunderbaren Titel gesetzt, dass man den Aufsatz schon gar nicht mehr lesen mag, in der Befürchtung, er könne, bei aller Genialität, gegenüber dem Titel nur abstinken: "On what there is". "On what there is", das ist wahr, schön und gut, das ist einprägsam und simpel, von künstlerischer Brillanz, eine Wendung, die einem bittere Tage versüßen kann, ohne dass man wissen müsste, was sie überhaupt bedeutet, und nicht zuletzt, ein untrügliches Zeichen für großen lyrischen Gehalt, nahezu unübersetzbar. "Was es gibt" lautet dementsprechend albern auch der deutsche Titel des Aufsatzes, so dass man geneigt wäre, ihm zu antworten "Rosenkohl" bzw. "Eins aufs Maul", wenn man Titeln denn antworten könnte.
larsweisbrod - Ideen, die andere hatten - 8. Nov, 15:21

Rumgeschleime