Ein Haufen zerzauster Tauben
Ich hatte noch nie etwas mit Fulda zu tun. Fulda war für mich immer nur die Stadt zwischen Frankfurt am Main und dem schönen Osten. Sonst nichts. Aber heute bin ich dort ausgestiegen.
"Willkommen in der Barockstadt Fulda", sagt der Ansager und ich sehe nichts, was auch nur annähernd Barock wäre, aber ich befinde mich ja auch auf dem Bahnsteig. Ich habe ein wenig Zeit, bis mein Anschlusszug fährt, und beschließe, den Bahnhofsvorplatz auf Barockheit zu untersuchen. Dort sind aber nur Raucher. Und eine zerzsauste alte Frau, die aus einer kleinen Papiertüte ganze Hände voll Körnerfutter klaubt und dieses mit einem geradezu eleganten Schwung von sich wirft, sodass es sich üppig und damit ja auch irgendwie barock auf dem Boden verteilt. In rasantem Flug taucht gleich darauf ein Dutzend Tauben auf und mit ihnen ein zerzauster Mann, dieser allerdings zu Fuß. Nun steht dort eine zerzauste Frau einem zerzausten Mann gegenüber, der sie für jeden hörbar anschreit, Tauben füttern sei verboten, während zwischen ihnen ein Haufen zerzauster Tauben gierig die Körner verschlingt. "Ich hab Ihnen das schon tausend Mal gesagt", schreit der Zerzauste, "Sie blöde Kuh, das ist verboooten! Die bringen Krankheiten mit!" "Ach, geh doch weg, du alte Ratte!", schreit die Zerzauste und holt erneut zu einem eleganten Schwung aus, mit dem sie aber diesmal ihrem anscheinenden Lieblingsgegner eine gut dosierte Portion Taubenfutter ins Gesicht wirft. Während der Mann sich durch hektische Handbwegungen das Haar, aus dem Körnerfutter herausstaubt, noch mehr zerzaust, ertönt aufregtes Geschrei von allen Seiten, gemischt mit Gelächter von irgendwo. Die Tauben lassen sich unterdessen nicht stören, hat ihnen der Körnerfutterangriff doch eine weitere Mahlzeit beschert und auch eventuelle Schuppen im Essen stören sie nicht. Sie bringen ja sowieso schon Krankheiten mit, wozu da noch auf Hygiene achten.
Vielleicht liegt es an dieser Ruhe der Tauben, die damit nicht umsonst Friedenstiere wären, vielleicht aber auch an dem recht schnelle Verschwinden des Zerzausten, dass sich die ganze Situation erstaunlich schnell wieder auf Null oder vielleicht noch auf eine etwas nachwirkende Zweikommafünf auf der Aufgeregtheitsskala herunterschraubt. Bei etwa sieben liegt der Aufgeregtheitsgrad zweier Grundschüler, die nun wild auf den Platz geschossen kommen, um die Tauben zu jagen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die zerzauste Alte ihnen sogleich mit erhobenem Zeigefinger zuruft, sie sollen die Tiere in Ruhe lassen. Mit gesenkten Köpfen ziehen die Jäger ab.
Den Tauben geht es heute gut in Fulda. Vielleicht helfen sie der Zerzausten dafür ja dabei, die Linsen aus der Asche zu lesen, und danach kommt der ganze Kram mit dem Schuh und dem Prinzen.
Dann muss ich zum Zug, weg aus der Barock- oder Zerzausten- oder Märchenstadt Fulda.
"Willkommen in der Barockstadt Fulda", sagt der Ansager und ich sehe nichts, was auch nur annähernd Barock wäre, aber ich befinde mich ja auch auf dem Bahnsteig. Ich habe ein wenig Zeit, bis mein Anschlusszug fährt, und beschließe, den Bahnhofsvorplatz auf Barockheit zu untersuchen. Dort sind aber nur Raucher. Und eine zerzsauste alte Frau, die aus einer kleinen Papiertüte ganze Hände voll Körnerfutter klaubt und dieses mit einem geradezu eleganten Schwung von sich wirft, sodass es sich üppig und damit ja auch irgendwie barock auf dem Boden verteilt. In rasantem Flug taucht gleich darauf ein Dutzend Tauben auf und mit ihnen ein zerzauster Mann, dieser allerdings zu Fuß. Nun steht dort eine zerzauste Frau einem zerzausten Mann gegenüber, der sie für jeden hörbar anschreit, Tauben füttern sei verboten, während zwischen ihnen ein Haufen zerzauster Tauben gierig die Körner verschlingt. "Ich hab Ihnen das schon tausend Mal gesagt", schreit der Zerzauste, "Sie blöde Kuh, das ist verboooten! Die bringen Krankheiten mit!" "Ach, geh doch weg, du alte Ratte!", schreit die Zerzauste und holt erneut zu einem eleganten Schwung aus, mit dem sie aber diesmal ihrem anscheinenden Lieblingsgegner eine gut dosierte Portion Taubenfutter ins Gesicht wirft. Während der Mann sich durch hektische Handbwegungen das Haar, aus dem Körnerfutter herausstaubt, noch mehr zerzaust, ertönt aufregtes Geschrei von allen Seiten, gemischt mit Gelächter von irgendwo. Die Tauben lassen sich unterdessen nicht stören, hat ihnen der Körnerfutterangriff doch eine weitere Mahlzeit beschert und auch eventuelle Schuppen im Essen stören sie nicht. Sie bringen ja sowieso schon Krankheiten mit, wozu da noch auf Hygiene achten.
Vielleicht liegt es an dieser Ruhe der Tauben, die damit nicht umsonst Friedenstiere wären, vielleicht aber auch an dem recht schnelle Verschwinden des Zerzausten, dass sich die ganze Situation erstaunlich schnell wieder auf Null oder vielleicht noch auf eine etwas nachwirkende Zweikommafünf auf der Aufgeregtheitsskala herunterschraubt. Bei etwa sieben liegt der Aufgeregtheitsgrad zweier Grundschüler, die nun wild auf den Platz geschossen kommen, um die Tauben zu jagen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die zerzauste Alte ihnen sogleich mit erhobenem Zeigefinger zuruft, sie sollen die Tiere in Ruhe lassen. Mit gesenkten Köpfen ziehen die Jäger ab.
Den Tauben geht es heute gut in Fulda. Vielleicht helfen sie der Zerzausten dafür ja dabei, die Linsen aus der Asche zu lesen, und danach kommt der ganze Kram mit dem Schuh und dem Prinzen.
Dann muss ich zum Zug, weg aus der Barock- oder Zerzausten- oder Märchenstadt Fulda.
nadjaschlueter - prossima fermata - 13. Okt, 17:26
