So lautet die Regel
Tollpatschikgkeit ist eine Eigenschaft, die zwar nicht nur bei Kindern auftritt, aber eben doch gehäuft in der unteren Altersklasse, und gerade da mag man sie auch ganz gut leiden. Denn wer ausgewachsen und tollpatschig ist, erntet nicht selten Hohn und Schmährufe. Stürzt nun ein winziger Mensch mit Pausbacken und Patschehänden die Treppe hinunter, läuft man sofort, ihn zu trösten. Doch bevor man ihm die salzigen Kullertränen von den Kinderwangen wischen kann, muss ein recht langer Moment vergehen. Denn nach dem Holperdidolperpadauzknallpeng sitzt das junge Unfallopfer auf seinem windelgepolsterten Hinterteil und schaut erschrocken drein, von Tränen keine Spur. Da sitzt er, der Gestürzte, und pumpt Luft in seine kleine Lungen, bevor er auf einmal, einer Sirene nicht unähnlich, zu schreien beginnt. Wie beim stadtweiten Feueralarm beginnt das Heulen mit einem leisen Ton, der stetig ansteigt und irgendwann einen Gipfel erreicht, der den dem Kindertrepperunterfallalarm Beiwohnenden im Nachhinein Pfeiftöne im Ohr verursachen wird. Vorallem, weil sie so nah an das Schreiende herangetreten sind, um ihm die Kullertränen abzuwischen. Und warum gab es diese Pause, warum mussten die Umstehenden so lange warten, bis der Schrei begann, bis die Tränen kamen? Weil der Schmerz so langsam war. Weil der Schmerz lange gebraucht hat, um im Kindergehirn anzukommen. Weil der Schmerz des Kindes ein alter Schmerz ist, der am Krückstock geht und ab und zu mal Pause machen muss, um Luft zu holen. Junger Mensch - alter Schmerz. So lautet die Regel.
Und der Schmerz der alten Menschen, denen immer alles wehtut, die bei jedem Stoß an der Tischkante aufschreien müssen und die gebrechlich sind, deren Schmerz ist jung und schnell und flink. Der schießt durch den Körper und springt und dreht sogar noch ein paar Pirouetten dabei. Alter Mensch - junger Schmerz. So lautet die Regel.
Doch jede Regel gilt nur begrenzt und so gilt diese nur für die Treppe heruntfallen, sich das Knie am Tischbein stoßen oder den Kopf an der geöffneten Schranktür, für sich den Finger klemmen oder den Ellbogen an der Hauswand schrammen. Und all die Schmerzen aufzuzählen, für die diese Regel nicht gilt, das wäre eine Aufgabe, die nicht zu bewältigen ist. Ebenso, wie einen Schmerz treffend zu beschreiben. Einen Anfang macht hier allerdings die Frau in dem sehr albernen, sehenswerten Film "Kein Pardon", die nicht müde wird, ihre Rückenschmerzen zu beschreiben, zum Beispiel in etwa so: "Das is, wie wenn dir jemand mitm Messer inne Rücken sticht. Oder so mit der Nadel erklärerklär." Ich glaube, sie ist etwa mittelalt. So auch ihr Schmerz, denn in der Mitte, da treffen sie sich, der Mensch und sein Schmerz.
Und der Schmerz der alten Menschen, denen immer alles wehtut, die bei jedem Stoß an der Tischkante aufschreien müssen und die gebrechlich sind, deren Schmerz ist jung und schnell und flink. Der schießt durch den Körper und springt und dreht sogar noch ein paar Pirouetten dabei. Alter Mensch - junger Schmerz. So lautet die Regel.
Doch jede Regel gilt nur begrenzt und so gilt diese nur für die Treppe heruntfallen, sich das Knie am Tischbein stoßen oder den Kopf an der geöffneten Schranktür, für sich den Finger klemmen oder den Ellbogen an der Hauswand schrammen. Und all die Schmerzen aufzuzählen, für die diese Regel nicht gilt, das wäre eine Aufgabe, die nicht zu bewältigen ist. Ebenso, wie einen Schmerz treffend zu beschreiben. Einen Anfang macht hier allerdings die Frau in dem sehr albernen, sehenswerten Film "Kein Pardon", die nicht müde wird, ihre Rückenschmerzen zu beschreiben, zum Beispiel in etwa so: "Das is, wie wenn dir jemand mitm Messer inne Rücken sticht. Oder so mit der Nadel erklärerklär." Ich glaube, sie ist etwa mittelalt. So auch ihr Schmerz, denn in der Mitte, da treffen sie sich, der Mensch und sein Schmerz.
nadjaschlueter - gemeinsame Projekte - 29. Sep, 19:44

Hach, wir sollten alle zusammen eine Reihe Feldversuche mithilfe an den Stützrädern manipulierten Fahrrädern starten.