Automobilausstellung, jetzt auch mit Selbstreferentialität

Die Menschen lieben Selbstreferentialität. Auf den Straßen rufen sie danach, in Kontaktanzeigen geben sie es an als wichtigste Anforderung an den Partner, weit vor Humor und finanzieller Unabhängigkeit, und wer ohne auf einer Partys auftaucht, wird schief angeguckt. Bisher gab es nur wenige Quellen von Selbstreferentialität, das Internet, das Spätwerk der Sterne und diese kleinen Puppen aus Russland, wo immer noch eine andere Puppe drin ist - das war's im Prinzip. Bitter! Aber jetzt hat die Autoindustrie den Trend erkannt und folgt endlich den Wünschen der Kunden. Auf der IAA (Internationale Ausstellung für Autos) präsentierten die Hersteller Abschleppwagen, die andere Abschleppwagen abschleppen können. Die Begeisterung der Messebesucher ist kaum zu beschreiben, Hysterie bricht aus, es kommt zu chaotischen Szenen, Menschen fallen in Ohnmacht. Es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch andere Lebensbereiche sich dem Trend zur Selbstreferentialität nicht mehr verschließen können. Es wird Flugzeuge geben, mit denen andere Flugzeuge herumgeflogen werden, riesige Waschanlagen, in die kleinere Waschanlagen gefahren werden, um sie sauber zu machen, Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, mit welcher Frage sich Wissenschaft eigentlich beschäftigt, Kräne, mit denen man andere Kräne aufbauen kann, und Schulen mit Lehrern, die anderen beibringen, wie man Lehrer wird.
larsweisbrod - Mythos und Technik - 23. Sep, 01:38

Korrektur
ein Abschleppwagen, der einen anderen Abschleppwagen abschleppen kann, ist nicht selbstreferentiell. Es handelt sich bei diesem Phänomen, wenn überhaupt, um einen re-entry.
Selbsterferentiell ist ein Abschleppwagen genau dann, wenn er sich selbst abschleppt.
Trag das sofort in dein Luhmann-Vokabelheftchen ein.
dann bin ich über "re-entry" -die aufhebung einer paradoxie durch beobachtung zu "reentry" gelangt, habe dort auch etwas über herrn luhmann erfahren dürfen und sogleich auf "autopoiesis" geklickt...
dann dacht ich, ach gottchen die zwei armen sind angehende soziologen und müssen sich täglich mit solch interessantem wirrwar auseinandersetzen, laß und klickte munter auf nicht geläufige fachbegriffe wie "immanenz / transzendenz" - ja ich fühlte mich schon ein wenig schlauer ;)
bis ich dann irgendwann beim runterscrollen bemerkte, dass unten noch auf journalismus und literaturwissenschaft verwiesen wurde; ein abschnitt, in dem ich das von euch gebrauchte wort "selbstreferentialität" sofort wieder erkannte.
und nun weiß ich auch endlich, was eurer unterredung eigentlich beinhaltet!
ich möchte jetzt, ein stück weit belesener, mit überzeugung davon ausgehen, dass ihr euch vom literaturwissenschafts-/journalismusstudium her kennt, vielleicht die selben kurse belegt und euch schon dort über diese thematik gestritten habt...
denn informatiker könnt ihr nicht sein! dafür scheint jedenfalls lars zu phantasiereich.
deshalb lass mich dich loben: dein schluss mit den lehrern find ich sehr (lustig) gelungen!!!
danke lars, danke wiki
ciao
Annuta allerdings kenne ich wohl leider nicht, auch nicht vom Soziologie-Studium, denn Soziologie studiere ich nicht. Daher hatte ich auch kein Luhmann-Vokabelheftchen, habe mir nach Annutas Aufforderung aber natürlich sofort eines angelegt.