Seine Zeit, seine Steine
Kulturpessimistisches Gerede davon, dass früher alle besser gewesen sei, duldet Six Percent Recall nur in genau zwei Fällen: bei bildender Kunst und bei Lego. Jedes Jahr warten wir mit Grauen auf das Erscheinen des neuen Lego-Katalogs, um uns dann ob des hanebüchenen Unsinns darin die Haare zu raufen. Immer neue Merchandisingprodukte werfen die geldgierigen Dänen auf den Markt, die Star-Wars-Reihe ist dabei noch das geringste Übel. Mittlerweile gibt es sogar Spongebob-Lego ("Planktons Abfalleimer" 44,99 €). Klassische Legoserien wie Ritter, Piraten, Stadt und Weltraum werden zurückgefahren oder gleich eingestellt, zugunsten von überflüssigen Quatschreihen mit bescheurten Namen wie "Bionicles", "Mindstorm" oder "Exo-force". Was übrig bleibt, unterwirft man der neuen Maxime "easy building and instant play", deren Zynismus durchschnittliche Zehnjährige zum Glück nicht gewahr sind. Aber langweilig wird ihnen sein, jetzt wo sämtliche Produkte aus der "Stadt"-Reihe auf einem Niveau konstruiert sind, auf dem vor zehn Jahren mit Lego Duplo gebaut wurde. Irgendwann, diagnostizierte schon Sebastian Krämer, wird in den Packungen nur noch ein einziger, großer Legostein sein - und wenn sich einer mit Lego auskennt, dann ja wohl Sebastian Krämer. Lego, man muss es so sagen, befindet sich auf dem besten Weg dahin, nur noch Playmobil in kleiner zu sein.
Verständlich also, dass man findet, früher sei alles besser gewesen. Wobei dieses Früher nicht das ganz frühe Früher ist, als die Weltraumännchen noch eierförmige Helme ohne Visier hatten, sondern die großartigen neunziger Jahre, in denen Weltraumpolizei und Weltraumspione sich jagten und später ein heller Stern namens Sirius aufstieg, der in unseren Kinderzimmern lange leuchten sollte (bis zu dem Tag, an dem wir unser Lego auf den Speicher verbannten, weil wir endlich Mädchen küssen wollten). Aber mag dieses Früher für jeden auch ein anderes sein, seine Zeit, seine Steine, sicher ist jedenfalls: Es war besser.

Ein Luftkissenlöschboot, das auch noch auf Rädern fährt!
Doch bei allem Schlechtem müssen wir versöhnlich gestehen: Legoland ist immernoch ein schöner Ort. Die Bewohner haben keine überflüssigen Knie, die ihnen im Alter Beschwerden bereiten, zum Bauen braucht man keinen Beton und statt langweiligen Drehleiterfahrzeugen verfügt die Feuerwehr über hypermoderne Luftkissenlöschboote. Würde man das in der Realität im Stadtrat vorschlagen, man erntete doch nur Spott und Gelächter! Überhaupt verzichtet das gute Legoland einfach auf langweilige und deprimierende Stadträte, Altenstifte und Discountmärkte (was zu begrüßen ist, auch wenn ich mir als Kind immer eine Legoauswahl wünschte mit dem Realitätsanspruch des Modelleisenbahnzubehörs) und besteht nur aus Polizeistationen, Flughäfen und Feuerwehrzentralen, welche sämtlich über keine Rückwand verfügen, damit man hineingreifen kann. Ein entscheidender Vorteil zur Bauweise in der echten Welt!
Und schließlich gibt immer noch die alte Firma Octan, schon ich baute an einem Heiligabend eine ihrer Tankstellen mit Waschanlage zusammen (ihr Besitzer trug in meiner Welt stets einen Cowboyhut, denn Klischees über die Ölindustrie lernt man früh). Octan liefert den eindeutigsten Beweis, das Legoland uns immer noch wohlstandstechnisch weit voraus ist: Denn wie auch immer sie sich berechnen, die Bezinpreise scheinen fantastisch niedrig zu sein! Nun gut, das ist aber auch nötig, denn in Legoautos passt ja meist auch nur ein einziges Männchen.

Warum grinst uns das Männchen mit der Zapfpistole in der Hand so hämisch an? Weil es sich es erlauben kann. Es wohnt schließlich in Legoland!
Verständlich also, dass man findet, früher sei alles besser gewesen. Wobei dieses Früher nicht das ganz frühe Früher ist, als die Weltraumännchen noch eierförmige Helme ohne Visier hatten, sondern die großartigen neunziger Jahre, in denen Weltraumpolizei und Weltraumspione sich jagten und später ein heller Stern namens Sirius aufstieg, der in unseren Kinderzimmern lange leuchten sollte (bis zu dem Tag, an dem wir unser Lego auf den Speicher verbannten, weil wir endlich Mädchen küssen wollten). Aber mag dieses Früher für jeden auch ein anderes sein, seine Zeit, seine Steine, sicher ist jedenfalls: Es war besser.

Ein Luftkissenlöschboot, das auch noch auf Rädern fährt!
Doch bei allem Schlechtem müssen wir versöhnlich gestehen: Legoland ist immernoch ein schöner Ort. Die Bewohner haben keine überflüssigen Knie, die ihnen im Alter Beschwerden bereiten, zum Bauen braucht man keinen Beton und statt langweiligen Drehleiterfahrzeugen verfügt die Feuerwehr über hypermoderne Luftkissenlöschboote. Würde man das in der Realität im Stadtrat vorschlagen, man erntete doch nur Spott und Gelächter! Überhaupt verzichtet das gute Legoland einfach auf langweilige und deprimierende Stadträte, Altenstifte und Discountmärkte (was zu begrüßen ist, auch wenn ich mir als Kind immer eine Legoauswahl wünschte mit dem Realitätsanspruch des Modelleisenbahnzubehörs) und besteht nur aus Polizeistationen, Flughäfen und Feuerwehrzentralen, welche sämtlich über keine Rückwand verfügen, damit man hineingreifen kann. Ein entscheidender Vorteil zur Bauweise in der echten Welt!
Und schließlich gibt immer noch die alte Firma Octan, schon ich baute an einem Heiligabend eine ihrer Tankstellen mit Waschanlage zusammen (ihr Besitzer trug in meiner Welt stets einen Cowboyhut, denn Klischees über die Ölindustrie lernt man früh). Octan liefert den eindeutigsten Beweis, das Legoland uns immer noch wohlstandstechnisch weit voraus ist: Denn wie auch immer sie sich berechnen, die Bezinpreise scheinen fantastisch niedrig zu sein! Nun gut, das ist aber auch nötig, denn in Legoautos passt ja meist auch nur ein einziges Männchen.

Warum grinst uns das Männchen mit der Zapfpistole in der Hand so hämisch an? Weil es sich es erlauben kann. Es wohnt schließlich in Legoland!
larsweisbrod - Konsum ist eine Lösung - 10. Aug, 19:55

da glüht mein herz