Metaphysischer Unsinn übers Braten
Kochen ist blöd. Kochen ist etwas für französische Fünf-Sterne-Köche und puerto-ricanische Haushaltshilfen. Grillen ist wild. Archaisch, wenn man den vielen Mannfraubüchern glaubt. Braten aber ist das zivilisierte Wilde. Kolonialherren kochen nicht und grillen nicht, Kolonialherren braten. Beim Braten erkennt man die wahren Zusammenhänge der Welt. Die Pfanne ist geschmiert, dass die Rindfleischbrocken darauf nur so tanzen, wie russische Ex-Geheimagentinnen auf der Eislauffläche der olympischen Spiele 1984. Tosendes Brutzeln begleitet alle ihre Bewegungen, als seien sie Wellenreiter in der Brandung des Meeres, Brutzelsurfer in der Pfanne. Die Butter in der Pfanne applaudiert! Man kann anatomisch genau beobachten, wie Hitze sich durch die Muskelfäden des Fleisches frisst, wie die Farben wechseln: von Blutrot zu saftigem, duftendem Bratbraun. Man muss immer auf der Hut sein, es ist ein schmaler Grat zwischen Braten und Verbrennen und nur wenige können ihn wandern. Man muss das Fleisch um seine eigene Achse drehen, alles muss sich um seine eigene Achse drehen, der Mensch, die Erde, die Galaxie. Nur was sich um sich dreht, wird von allen Seiten gleich. Dann entströmt der Pfanne der Geruch des einzig-wahren Genusses: totes, mariniertes Fleisch. Man spürt noch einen Hauch des Erschreckens vor dem Tod an der Fleischtheke. Das ist der Kreislauf des Lebens! Fleisch ist Mord, aber Braten ist Wiederauferstehung.
larsweisbrod - Kohlenhydrathaltiges - 14. Jul, 17:21
