Die Ausbeuter am konvexen Tisch
Wer eine Sehhilfe benötigt, weil er ohne immerzu stolpert und die Schönheit der Heimat, der Fremde und der Mitmenschen nicht erkennen kann, muss sich eben eine anschaffen.
Das kann zum Beispiel eine Brille sein. Es gibt nun aber Menschen, die Angst haben, dass die ebenfalls kurz- oder weitsichtigen Zeitgenossen ihre eigene Sehhilfen entfernen, wenn sie einen mit Brille sehen, weil sie denken: "Also, mit der Schönheit der Mitmenschen ist ja echt gar nichts mehr los. Wozu da noch Sehhilfe tragen?"
In diesem Fall können Kontaktlinsen Abhilfe verschaffen. Bis auf den Vorteil, dass man sich damit schöner fühlt und glaubt, dass die anderen ihre Sehhilfe nun gerne auf- oder drinlassen, wenn sie einem begegnen, haben sie eigentlich nur Nachteile. Sie trocknen aus, stechen, pieken, springen herum, wenn irgendwo geraucht wird, gehen ziemlich schnell unauffindbar verloren, machen spontane Übernachtungen praktisch unmöglich und sind verteufelt teuer.
Vor allem das, ja, vor allem verteufelt teuer. Deswegen sparen die meisten am Ende, von dem man nicht genau weiß, ob es das richtige oder das falsche ist: Beim Pflegemittel, umgangssprachlich gerne als "Linsenzeug" bezeichnet. Weil die großen Bosse der Kontaktlinsenimperien das natürlich wissen, versuchen sie, mit miesen Tricks das Geld, das ihnen durch billige All-in-one-Pflegepräparate und Schnäppchen-Kochsalz-Lösungen aus dem Supermarkt verloren geht, wieder hereinzuholen. Bei irgendeiner ihrer nächtlichen Kontaktlinsenbosse-Sitzungen, die stets zwischen ein und vier Uhr an einem Tisch ausgetragen werden, der eine überdimensionale Kontaktlinse darstellt, die konvex im Raum steht, sodass die Kontaklinsenboss-Notizblöcke und -Füllfederhalter immer herunterrutschen und die Kontaktlinsenbosse fast mehr mit verzweifeltem Rumgeschiebe und Festgehalte beschäftigt sind, als mit Ideen für richtig miese Tricks, fassten sie folgenden Beschluss: Ab sofort sollten Döschen hergestellt werden, an denen ein Eichstrich anzeigt, wie viel reinigende Lösung hineingefüllt werden soll, und dieser Eichstrich, der solle doch bitte möglichst weit oben liegen, viel weiter oben als nötig, sodass die dummen und eitlen Sehhilfeträger immer ganz übertrieben viel Lösung einfüllen, somit ganz, ganz fix die billigen Flaschen aus dem Supermarkt leergebraucht haben und ganz, ganz fix neue Flaschen kaufen. All die großen Bosse stimmten zu und kicherten befriedigt und gehässig, während ihre Blöcke und Stifte wieder vom konvexen Tisch rutschten und sie sie mit hektischen Bewegungen aufzufangen suchten.
Das war die Nacht, in der es geboren wurde, das böse, das uns ausbeutende, das dreckige Kapitalistendöschen. Und wir träumen davon, dass alle, endlich alle nur noch das Döschen benutzen, das bisher nicht mal einen Namen hat. Vielleicht heißt es Kommunistendöschen oder Sozialistendöschen oder Anarchistendöschen, in jedem Fall ist es ein gutes Döschen. Die guten Menschen, die singen bereits für das gute Döschen, sie singen „Das Lied vom Ende des Kapitalistendöschens“.

Das Kapitalistendöschen. Pfui.

Das gute Döschen. (Dass es sich auf diesem Bild im Atlantischen Ozean befindet, hat keine tiefere Bedeutung. Dass rechts und links vertauscht sind, zeigt allerdings an, dass das Döschen ein Revoluzzer und gegen das System ist.)
Dieser Beitrag ist Elgen Christine gewidmet, die den Begriff des Kapitalistendöschens prägte.
Das kann zum Beispiel eine Brille sein. Es gibt nun aber Menschen, die Angst haben, dass die ebenfalls kurz- oder weitsichtigen Zeitgenossen ihre eigene Sehhilfen entfernen, wenn sie einen mit Brille sehen, weil sie denken: "Also, mit der Schönheit der Mitmenschen ist ja echt gar nichts mehr los. Wozu da noch Sehhilfe tragen?"
In diesem Fall können Kontaktlinsen Abhilfe verschaffen. Bis auf den Vorteil, dass man sich damit schöner fühlt und glaubt, dass die anderen ihre Sehhilfe nun gerne auf- oder drinlassen, wenn sie einem begegnen, haben sie eigentlich nur Nachteile. Sie trocknen aus, stechen, pieken, springen herum, wenn irgendwo geraucht wird, gehen ziemlich schnell unauffindbar verloren, machen spontane Übernachtungen praktisch unmöglich und sind verteufelt teuer.
Vor allem das, ja, vor allem verteufelt teuer. Deswegen sparen die meisten am Ende, von dem man nicht genau weiß, ob es das richtige oder das falsche ist: Beim Pflegemittel, umgangssprachlich gerne als "Linsenzeug" bezeichnet. Weil die großen Bosse der Kontaktlinsenimperien das natürlich wissen, versuchen sie, mit miesen Tricks das Geld, das ihnen durch billige All-in-one-Pflegepräparate und Schnäppchen-Kochsalz-Lösungen aus dem Supermarkt verloren geht, wieder hereinzuholen. Bei irgendeiner ihrer nächtlichen Kontaktlinsenbosse-Sitzungen, die stets zwischen ein und vier Uhr an einem Tisch ausgetragen werden, der eine überdimensionale Kontaktlinse darstellt, die konvex im Raum steht, sodass die Kontaklinsenboss-Notizblöcke und -Füllfederhalter immer herunterrutschen und die Kontaktlinsenbosse fast mehr mit verzweifeltem Rumgeschiebe und Festgehalte beschäftigt sind, als mit Ideen für richtig miese Tricks, fassten sie folgenden Beschluss: Ab sofort sollten Döschen hergestellt werden, an denen ein Eichstrich anzeigt, wie viel reinigende Lösung hineingefüllt werden soll, und dieser Eichstrich, der solle doch bitte möglichst weit oben liegen, viel weiter oben als nötig, sodass die dummen und eitlen Sehhilfeträger immer ganz übertrieben viel Lösung einfüllen, somit ganz, ganz fix die billigen Flaschen aus dem Supermarkt leergebraucht haben und ganz, ganz fix neue Flaschen kaufen. All die großen Bosse stimmten zu und kicherten befriedigt und gehässig, während ihre Blöcke und Stifte wieder vom konvexen Tisch rutschten und sie sie mit hektischen Bewegungen aufzufangen suchten.
Das war die Nacht, in der es geboren wurde, das böse, das uns ausbeutende, das dreckige Kapitalistendöschen. Und wir träumen davon, dass alle, endlich alle nur noch das Döschen benutzen, das bisher nicht mal einen Namen hat. Vielleicht heißt es Kommunistendöschen oder Sozialistendöschen oder Anarchistendöschen, in jedem Fall ist es ein gutes Döschen. Die guten Menschen, die singen bereits für das gute Döschen, sie singen „Das Lied vom Ende des Kapitalistendöschens“.

Das Kapitalistendöschen. Pfui.

Das gute Döschen. (Dass es sich auf diesem Bild im Atlantischen Ozean befindet, hat keine tiefere Bedeutung. Dass rechts und links vertauscht sind, zeigt allerdings an, dass das Döschen ein Revoluzzer und gegen das System ist.)
Dieser Beitrag ist Elgen Christine gewidmet, die den Begriff des Kapitalistendöschens prägte.
nadjaschlueter - Ideen, die andere hatten - 9. Mai, 23:26
