Geh nach Hause, Bastian Sick
Liebe Rheinzeitung,
in deiner heutigen Koblenzer Ausgabe schreibst du in der Rubrik "Vereinslokal" über den "Verein Deutsche Sprache". Deren Mitglied Ursula Klee, heißt es da, fände oft genug Gründe, sich zu ärgern, wenn sie durch die Fußgängerzone geht. Ursula Klee ärgert sich dann auch gleich: "Überall auf den Schaufenstern steht das englische Wort 'Sale'. Warum nimmt man nicht den deutschen Begriff 'Verkauf'?"
Das ist eine blöde Frage. Auch der deutscheste aller Deutschladenbesitzer würde niemals "Verkauf" an seinen Deutschladen schreiben, denn dass in einem Laden etwas verkauft wird, muss man ja nicht nochmal extra dranschreiben. Viel mehr sollte die korrekte Übersetzung von "Sale" in diesem Fall doch "Ausverkauf" oder "Schlussverkauf" lauten.
Und nur jemand, der überhaupt keine Liebe zur Sprache besitzt, würde sich darüber ärgern, dass am Flughafen das wunderbare Wort "Bagagge Claim" das furchtbare deutsche "Gepäckband" ersetzt - schade also, dass gerade diejenigen auf die Sprache aufpassen wollen, die keine Liebe für sie haben. Außerdem findet man, wenn man im Wörterbuch unter "Bagagge Claim" guckt, auch nicht "Gepäckband."
Den schlimmsten Fauxpas leistet du, Rheinzeitung, und ihr, Verein, euch aber, wenn ihr schreibt: "Eines der bekanntesten Irrtümer seien Anzeigen für den 'Bodypack'. In England oder Amerika erhalte man jedoch bei der Bestellung dieses Artikels keine Ruck-, sondern Leichensäcke." Leichensäcke heißen aber Bodybags, nicht Bodypacks. Packs sind Verkaufsverpackungen, zum Beispiel welche aus Tetra, und ein Geschäft, in dem Leichen in Bodypacks verkauft werden und an dessen Schaufenster "Verkauf" steht, das ist eine eklige Vorstellung.
Jetzt noch von dem problematischen Verhältnis des Redakteurs zum Begriff "Begriff" anzufangen, wäre wirklich kleinlich. Aber: Es ist eine Sache, einem langweiligen und drögen Verein von konservativen Pedanten (wohlgemerkt: Pedanterie kann auch sehr sexy sein, aber nicht in diesem Verein) Platz in der Zeitung freizuräumen, aber dabei dann auch noch mehr oder weniger grobe Fehler einzubauen, ja das, Rheinzeitung, ist eine Blamage. Ach nein, keine Blamage, bloß ein bisschen lustig.
Trotzdem nette Grüße,
Lars Weisbrod
in deiner heutigen Koblenzer Ausgabe schreibst du in der Rubrik "Vereinslokal" über den "Verein Deutsche Sprache". Deren Mitglied Ursula Klee, heißt es da, fände oft genug Gründe, sich zu ärgern, wenn sie durch die Fußgängerzone geht. Ursula Klee ärgert sich dann auch gleich: "Überall auf den Schaufenstern steht das englische Wort 'Sale'. Warum nimmt man nicht den deutschen Begriff 'Verkauf'?"
Das ist eine blöde Frage. Auch der deutscheste aller Deutschladenbesitzer würde niemals "Verkauf" an seinen Deutschladen schreiben, denn dass in einem Laden etwas verkauft wird, muss man ja nicht nochmal extra dranschreiben. Viel mehr sollte die korrekte Übersetzung von "Sale" in diesem Fall doch "Ausverkauf" oder "Schlussverkauf" lauten.
Und nur jemand, der überhaupt keine Liebe zur Sprache besitzt, würde sich darüber ärgern, dass am Flughafen das wunderbare Wort "Bagagge Claim" das furchtbare deutsche "Gepäckband" ersetzt - schade also, dass gerade diejenigen auf die Sprache aufpassen wollen, die keine Liebe für sie haben. Außerdem findet man, wenn man im Wörterbuch unter "Bagagge Claim" guckt, auch nicht "Gepäckband."
Den schlimmsten Fauxpas leistet du, Rheinzeitung, und ihr, Verein, euch aber, wenn ihr schreibt: "Eines der bekanntesten Irrtümer seien Anzeigen für den 'Bodypack'. In England oder Amerika erhalte man jedoch bei der Bestellung dieses Artikels keine Ruck-, sondern Leichensäcke." Leichensäcke heißen aber Bodybags, nicht Bodypacks. Packs sind Verkaufsverpackungen, zum Beispiel welche aus Tetra, und ein Geschäft, in dem Leichen in Bodypacks verkauft werden und an dessen Schaufenster "Verkauf" steht, das ist eine eklige Vorstellung.
Jetzt noch von dem problematischen Verhältnis des Redakteurs zum Begriff "Begriff" anzufangen, wäre wirklich kleinlich. Aber: Es ist eine Sache, einem langweiligen und drögen Verein von konservativen Pedanten (wohlgemerkt: Pedanterie kann auch sehr sexy sein, aber nicht in diesem Verein) Platz in der Zeitung freizuräumen, aber dabei dann auch noch mehr oder weniger grobe Fehler einzubauen, ja das, Rheinzeitung, ist eine Blamage. Ach nein, keine Blamage, bloß ein bisschen lustig.
Trotzdem nette Grüße,
Lars Weisbrod
larsweisbrod - Semiotik für Fortgeschrittene - 28. Sep, 18:26

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