Ernsthafte, junge Sexisten
"Ernsthafte, junge Männer wissen, dass du nichts dafür kannst. es ist das kindchenschema."
So steht's in einem Status der Facebook-Fanpage Ernsthafte, junge Männer, die sich gerade großer Beliebtheit erfreut. Anzahl der Fans am 26. April, kurz vor drei: 1407. Ernsthaft und jung und ein Mann, wer wäre oder hätte so jemand nicht gerne? „Wir wissen“, schreiben die anonymen Fanpagegründer, „dass wir vor 8 aufstehen, uns gesund ernähren und gute Leberwerte haben können. Außerdem können wir unseren Job, Kinder und deine Mutter lieben. Sogar dich, wenn du Tee und Gebäck magst. Morgen fangen wir an.“ Das klingt alles ganz nett, nach neuer Bürgerlichkeit versehen mit einem Augenzwinkern. Schaut man sich aber einmal die Statusmeldungen der ernsthaften jungen Männer an und was sie dem anderen Geschlecht darin mitzuteilen haben hier im zugehörigen Twitteraccount, muss man dann doch mindestens die Stirn runzeln: Ernsthafte, junge Männer „unterstützen dich im kampf mensch gegen hose. natürlich passt du“, ernsthafte, junge Männer „wissen, dass zeit im badezimmer relativ ist“ und ebenso, dass „du nichts dafür kannst. es ist das kindchenschema“.
Ganz abgesehen davon, dass selbst sonst ernsthafte junge Männer die Groß- und Kleinschreibung nicht ernstnehmen, scheinen sie einen etwas zu entspannten Umgang mit Sexismus zu pflegen. Klar, wenn man sowieso nicht kochen kann, eher so gegen zwölf Uhr mittags aufwacht und das Badezimmer auch mal wieder geputzt werden müsste, schimpft es sich natürlich allzu leicht auf jene, die die neue Bürgerlichkeit als Lebensziel ausrufen. Aber soll das tatsächlich der Blick der neuen bürgerlichen Männer auf das andere Geschlecht sein? Frauen beschäftigen sich die meiste Zeit mit Kleiderschrank, Schminkkoffer und ihrer Figur? Und sind biologisch aufs Kinderkriegen programmiert und können da dann leider auch nichts machen? Anscheinend möchten die ernsthaften, jungen Männer nicht nur die Manieren der 50er Jahre zurück, sondern auch ihre sexistischen Klischees, ihre bornierten Vorurteile und ihre von meterhohem Staub bedeckten Pointen, denn sie können schließlich „zeitung lesen und dir zuhören“. Wow!
Etwas über 1000 Fans und eine anonyme Seite, die eine Handvoll lustig gemeinte Mikrobloggingeinträge veröffentlicht, ergeben natürlich noch kein Massenphänomen und das fragwürdige Frauenbild wäre ja – leider, leider – kaum eine Bemerkung wert, wären nicht die Fans der ernsthaften jungen Männer letztlich genau jene, die sich gleichzeitig als Anhänger von „Ich könnte Mario Barth pausenlos die Fresse polieren“ outen: gebildeten junge Großstädter mit Medienaffinität, auf die das arty Design der Ernsthafte-junge-Männer-Seite zugeschnitten ist. Aber Sexismus gibt es natürlich nicht nur im vermeintlichen Mario-Barth-Unten, sondern auch oben, wo sich die Ernsten wohl vermuten. Und der alte Trick der angeblichen Gentlemen, die Frau mit all ihren Fehlern und Beschränkungen eben zu akzeptieren und zu lieben, der macht das Ganze auch nicht besser. Eher schlimmer eigentlich. „Du redest viel, schminkst dich dauernd und willst eigentlich nur endlich ein Kind, aber statt uns darüber aufzuregen, finden wir das okay“, das ist die Message, die von der sich ja eigentlich so fortschrittlichen gebender Facebook-Elite da unterschrieben wird – von Männern wie von Frauen. Aber „Ich habe eins gelernt: Frauen kann man nicht verstehen, Frauen muss man lieben“, das sagt ja auch Mario Barth. Das angeblich Mysteriöse der Frau nicht abzulehnen, sondern – nach einigem Widerstreben – zu akzeptierten, verhindert Sexismus nicht, es zementiert ihn. Das müssten gerade ernsthafte junge Männer wissen. Solange das aber nicht so ist, sollte man vielleicht doch besser ein antriebsloser Slacker mit ungeputztem Badezimmer bleiben.
So steht's in einem Status der Facebook-Fanpage Ernsthafte, junge Männer, die sich gerade großer Beliebtheit erfreut. Anzahl der Fans am 26. April, kurz vor drei: 1407. Ernsthaft und jung und ein Mann, wer wäre oder hätte so jemand nicht gerne? „Wir wissen“, schreiben die anonymen Fanpagegründer, „dass wir vor 8 aufstehen, uns gesund ernähren und gute Leberwerte haben können. Außerdem können wir unseren Job, Kinder und deine Mutter lieben. Sogar dich, wenn du Tee und Gebäck magst. Morgen fangen wir an.“ Das klingt alles ganz nett, nach neuer Bürgerlichkeit versehen mit einem Augenzwinkern. Schaut man sich aber einmal die Statusmeldungen der ernsthaften jungen Männer an und was sie dem anderen Geschlecht darin mitzuteilen haben hier im zugehörigen Twitteraccount, muss man dann doch mindestens die Stirn runzeln: Ernsthafte, junge Männer „unterstützen dich im kampf mensch gegen hose. natürlich passt du“, ernsthafte, junge Männer „wissen, dass zeit im badezimmer relativ ist“ und ebenso, dass „du nichts dafür kannst. es ist das kindchenschema“.
Ganz abgesehen davon, dass selbst sonst ernsthafte junge Männer die Groß- und Kleinschreibung nicht ernstnehmen, scheinen sie einen etwas zu entspannten Umgang mit Sexismus zu pflegen. Klar, wenn man sowieso nicht kochen kann, eher so gegen zwölf Uhr mittags aufwacht und das Badezimmer auch mal wieder geputzt werden müsste, schimpft es sich natürlich allzu leicht auf jene, die die neue Bürgerlichkeit als Lebensziel ausrufen. Aber soll das tatsächlich der Blick der neuen bürgerlichen Männer auf das andere Geschlecht sein? Frauen beschäftigen sich die meiste Zeit mit Kleiderschrank, Schminkkoffer und ihrer Figur? Und sind biologisch aufs Kinderkriegen programmiert und können da dann leider auch nichts machen? Anscheinend möchten die ernsthaften, jungen Männer nicht nur die Manieren der 50er Jahre zurück, sondern auch ihre sexistischen Klischees, ihre bornierten Vorurteile und ihre von meterhohem Staub bedeckten Pointen, denn sie können schließlich „zeitung lesen und dir zuhören“. Wow!
Etwas über 1000 Fans und eine anonyme Seite, die eine Handvoll lustig gemeinte Mikrobloggingeinträge veröffentlicht, ergeben natürlich noch kein Massenphänomen und das fragwürdige Frauenbild wäre ja – leider, leider – kaum eine Bemerkung wert, wären nicht die Fans der ernsthaften jungen Männer letztlich genau jene, die sich gleichzeitig als Anhänger von „Ich könnte Mario Barth pausenlos die Fresse polieren“ outen: gebildeten junge Großstädter mit Medienaffinität, auf die das arty Design der Ernsthafte-junge-Männer-Seite zugeschnitten ist. Aber Sexismus gibt es natürlich nicht nur im vermeintlichen Mario-Barth-Unten, sondern auch oben, wo sich die Ernsten wohl vermuten. Und der alte Trick der angeblichen Gentlemen, die Frau mit all ihren Fehlern und Beschränkungen eben zu akzeptieren und zu lieben, der macht das Ganze auch nicht besser. Eher schlimmer eigentlich. „Du redest viel, schminkst dich dauernd und willst eigentlich nur endlich ein Kind, aber statt uns darüber aufzuregen, finden wir das okay“, das ist die Message, die von der sich ja eigentlich so fortschrittlichen gebender Facebook-Elite da unterschrieben wird – von Männern wie von Frauen. Aber „Ich habe eins gelernt: Frauen kann man nicht verstehen, Frauen muss man lieben“, das sagt ja auch Mario Barth. Das angeblich Mysteriöse der Frau nicht abzulehnen, sondern – nach einigem Widerstreben – zu akzeptierten, verhindert Sexismus nicht, es zementiert ihn. Das müssten gerade ernsthafte junge Männer wissen. Solange das aber nicht so ist, sollte man vielleicht doch besser ein antriebsloser Slacker mit ungeputztem Badezimmer bleiben.
larsweisbrod - aus unseren Badezimmern - 26. Apr, 14:47
