Aufgrund verschiedener blöder Zufälle der Weltgeschichte steht die Menschheit nun vor dem Problem, dass ab übermorgen niemand mehr für Informationen (z.B. Beziehungsratgeber von Susanne Fröhlich, CDs von U2, Leitartikel von Frank Schirrmacher) bezahlen muss. Aber woher kriegen S. Fröhlich, U2 und F. Schirrmacher dann ihr Geld? Hier einige Szenarien und mögliche Antworten:
1) Hans Pimmelwurst arbeitet im Saunaclub "Zur schönen Stefanie" und verdient 1000 Euro brutto, die er für Spielautomaten, Leberwurst und Saunaclubbesuche ausgibt. Früher hat er nie Musik gehört, aber seit er Chris Andersen (z. Zt. Denver Nuggets) gelesen hat, lädt er jeden Monat U2-Songs im Wert von 1000 Euro herunter.
Was heißt das für U2? Nichts: Ihnen gehen 1000 Euro durch die Lappen, die ihnen auch früher durch die Lappen gegangen wären.
2) Donnie Durchschnittstyp hat früher für 500 Euro im Monat Celine-Dion-Schallplatten gekauft ("Complete Best", "My Love: The Ultimate Essential Collection"). Seit seine Freundin ihm gezeigt hat, wie man den Computer hochfährt, lädt er Celine-Dion-Schallplatten aus dem Internet herunter und druckt sie sich aus. Frage: Was macht er stattdessen mit den 500 Euro?
a) Er kauft Celine-Dion-T-Shirts, Konzertkarten für Celine Dions Show in Las Vegas und Celine-Dion-Aschenbechter ("My Ashtray: The Ultimate Essential Collection"). Was heißt das für Celine Dion? Nichts: Sie kriegt 500 Euro, die sie auch früher hätte bekommen.
b) Er kauft ein halbes Kindle und ein halbes iPhone. Was heißt das für Celine Dion? Nichts: Die Kindle- und iPhone-Verkäufer geben ihr die Hälfte vom Geld ab, wenn sie merken, dass ihre Dinger keiner will, wenn Celine Dion keine neue Musik mehr macht und keine neuen Leitartikel mehr schreibt, die man darauf abspielen oder lesen könnte.
c) Er gibt das Geld für irgendwas anderes aus (Saunaclub, Leberwurst). Was heißt das für Celine Dion? Nichts gutes: Villa verkaufen, Auto abstoßen, wieder zurück in die Garage ihrer Eltern ziehen.
Vorschlag: Saunaclub- und Leberwursthersteller zahlen eine Celine-Dion-Steuer, von der die sympathische Kanadierin sich ihre Villa zurückkauft. Merke: Geld ist nie weg, es hat nur ein anderer, von dem man es sich zurückholen kann (außer der andere ist Bernard Madoff).
Erdgas kann man weder sehen noch riechen. Da es aber nötig ist, dass man das Gas irgendwie bemerkt, wenn es aus dem Herd austritt, hat man ihm eben einfach einen Geruch gegeben, der seitdem für uns nicht etwa der Geruch von etwas anderem ist, den man dem Gas untergemischt hat, sondern Gasgeruch.
Nun hat man aber festgestellt, dass dieser Gasgeruch umweltschädlich ist und das ist in der heutigen Zeit, in der man sein Gas am liebsten auf dem Biobauernhof von glücklichen Gashühnern kaufen würde, natürlich skandalös. Daher, sagte mir zumindest das Radio, haben die Aachener Stadtwerke ihren Gasgeruch verändert. Nasenzeugen, die für den Radiobeitrag daran schnupperten, beschrieben ihn als "muffig", "wie Knoblauch" oder auch "irgendwie faulig". Aber natürlich keinesfalls als "gasig".
Besonders gut informiert wurden die Kunden anscheinend nicht über den neuen Geruch. Zwar liegen bei den Stadtwerken Infozettel und Riechproben bereit, doch per Post habe man das Ganze nicht verschicken können, so eine Aachener Stadtwerks-Sprecherin, denn dann sei wohlmöglich jemand im Urlaub und der sehr intensive Geruch stinke tagelang im Briefkasten herum.
Das Gas ist damit die erste Sache (zumindest die erste, die mir bekannt ist), die keinen Geruch hat, aber doch einen Geruch hat, der dann irgendwann geändert wird, sodass sie zwei verschiedene Gerüche hat. Das ist nicht nur noch eine Stufe verwirrender als Mädchen, die die Pille absetzen und dann plötzlich anders riechen, sondern auch ziemlich lustig. In zwanzig Jahren werden wir vielleicht zueinander sagen: "Weißt du noch, wie das Gas damals roch?" und früher wird wieder einmal alles besser gewesen sein.